„Hass betrifft uns alle!“ Ihre Küche kennt keine Grenzen: Die YouTuberin Yasmin Gies präsentiert auf ihrem Kanal „Yasilicious“ westliches Fast Food und authentisch asiatische Gerichte aus den Rezeptbüchern ihrer malaysischen Familie. Über Rassismus im Alltag, den Umgang mit pöbelnden Zuschauern und die Kraft des Einmischens.

Yasmin Gies Hass betrifft uns alle
© Yasilicious

Wie wichtig Zivilcourage sein kann, weiß die YouTuberin Yasmin Gies, die den Koch-Kanal „Yasilicious“ betreibt, aus eigener Erfahrung. Die 28-Jährige wuchs in einem kleinen rheinland-pfälzischen Dorf zwischen Landau und Pirmasens auf. „Ich kann mich noch gut an eine Situation aus meiner Kindheit erinnern: Ich stand an der Bushaltestelle, um in die Schule zu fahren, und wurde von anderen Kindern wegen meines asiatischen Aussehens gehänselt. Dann hat sich jemand eingemischt und mich verteidigt. Daran werde ich mich wahrscheinlich mein Leben lang erinnern“, erzählt Yasmin Gies.

Ihre Mutter kommt aus Malaysia und ist chinesischer Herkunft, ihr Vater ist Deutscher. In ihrem Heimatdorf war Gies häufig mit Rassismus konfrontiert. „Es gab dort damals einfach keine Menschen, die anders aussahen“, erzählt sie. Inzwischen wohnt die YouTuberin in Frankfurt am Main, einer Stadt, die sie als multikulturell und weltoffen erlebt. Fremdenfeindlichkeit betrachtet Gies nicht als deutsches Phänomen. Sie sagt: „Rassismus ist auf der ganzen Welt ein Problem, weil es überall Menschen gibt, die Angst vor dem Fremden haben.“

Heute sind es Flüchtlinge – und morgen?

Was ihr Sorge bereitet, ist, dass Hass und Hetze sich häufig gegen einzelne Gesellschaftsgruppen richten. „Heute sind es zum Beispiel Flüchtlinge – und morgen?“ Auch deshalb hat Gies sich der YouTube-Kampagne gegen Hass im Netz, #NichtEgal, angeschlossen. „Ich möchte meine Zuschauerinnen und Zuschauer zum Nachdenken anregen und sie dazu ermutigen, nicht wegzuschauen. Hass betrifft uns alle!“

Mehr Offenheit in der Gesellschaft

Auf ihrem Koch-Kanal „Yasilicious“ halten sich die Hasskommentare in Grenzen. „Vielleicht, weil es um das harmlose Thema ‚Kochen‘ geht“, vermutet Gies. Manchmal verirren sich Menschen auf ihre Seite, die neben stumpfen Beschimpfungen zum Beispiel Äußerungen posten wie „Hör auf mit Deinen Videos, Du versaust mir den Tag“. Darüber kann Gies sich nur wundern: „Ich zwinge ja niemanden, sich meine Videos anzuschauen!“ Angst machen ihr die ausfallenden Kommentare nicht. „Manchmal rege ich mich kurz darüber auf – aber am Ende des Tages ist so etwas auch wieder vergessen“, sagt Gies. Wenn es sich nicht um reine Beleidigungen handelt, sucht die YouTuberin den Dialog: „Manche entschuldigen sich dann sogar.“ Als Hauptmotiv der oft noch jungen Hasskommentatoren sieht die YouTuberin vor allem Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und Langeweile. Gies: „Ich würde ihnen wünschen, dass sie lernen, mit ihrem Leben klarzukommen und etwas zu finden, worauf sie ihre Energie produktiv richten können, statt ihre Zeit mit dem Verbreiten von Hass zu verbringen.“

Vielleicht haben mich meine Erfahrungen aus der Kindheit auch schon ein wenig auf die Hasskommentare auf YouTube vorbereitet.

Sie hat gelernt, mit den verbalen Angriffen umzugehen und sie nicht an sich heranzulassen. „Vielleicht haben mich meine Erfahrungen aus der Kindheit auch schon ein wenig auf die Hasskommentare auf YouTube vorbereitet. Auch damals habe ich die Beleidigungen nicht auf meine Person bezogen. Die rassistischen Kommentare hätten auch meine asiatische Freundin oder die Freundin meiner asiatischen Freundin treffen können – ich war ja nicht persönlich gemeint!“ Was sie nach wie vor traurig macht, ist, dass sich die Gesellschaft so weltoffen und tolerant gibt, es oftmals aber gar nicht ist. „Es ist 2016, und Menschen fühlen sich von einem Burkini angegriffen. Das ist einfach nur ein Badeanzug! So viel zum Thema Toleranz“, meint Gies.

Ihr Wunsch für die Zukunft: mehr Offenheit in der Gesellschaft. „Jeder sollte andere ihr Leben leben lassen, solange es niemandem schadet. Wir sind alle gleich. Es wäre schön, wenn manche Menschen das endlich einsehen würden.“

YASILICIOUS, YASMIN GIES

Ob Pizzaburger, Berliner mit Schokoriegel-Füllung oder traditionell asiatisches Essen aus den Rezeptbüchern ihrer malaysischen Verwandten – Yasmin Gies hat schon immer gern gekocht. Seit 2014 teilt die 28-Jährige ihre Rezepte mit mehr als 27.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die Videos auf ihrem YouTube-Kanal „Yasilicous“, den sie gemeinsam mit ihrem Freund betreibt, wurden bisher insgesamt fast zwei Millionen Mal angeschaut. Inzwischen gibt es sogar einen eigenen Onlineshop, in dem Zuschauerinnen und Zuschauer asiatische Gewürze und andere Zutaten kaufen können, die Yasmin Gies in ihren Kochvideos verwendet. Wenn die YouTuberin nicht gerade ein neues Video macht, arbeitet die ehemalige Chemiestudentin in einem Frankfurter Medienunternehmen.


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