Steve Deschênes

Québec: Die besten Routen für Wild­beobachtungen

Québec ist die flächen­mäßig größte Provinz Kanadas. Die meisten der rund 8,5 Millionen Ein­wohner leben in urbanen Regionen in der Nähe des Sankt-Lorenz-Stroms zwischen Montréal und Québec City. Abseits davon findet man sich schnell in unberührter Natur wieder. Für Wild­beobachtung gibt es daher in der gesamten Provinz viele Möglich­keiten. Sie reichen von einem Besuch in einem Wild­tier­reservat in Stadt­nähe bis hin zu Expeditionen per Flug­zeug oder Boot in den schwer zugänglichen Norden der Provinz (Nord-du-Québec, inklusive Nunavik).

Die interessantesten, mit dem Auto erreichbaren Landes­teile für Wild­beobachtungen sind die beiden Ufer­seiten des Sankt-Lorenz-Stroms, die Halb­insel Gaspésie, das Tal der Bio­diversität in Saguenay–Lac-Saint-Jean und die Gegend rund um den Parc national du Mont-Tremblant. Generell gilt: Je weiter man sich von der Zivili­sation entfernt, desto größer sind die Chancen, eine der 650 in Québec bekannten Tier­spezies (darunter 300 Vogel- und 90 Säuge­tier­arten) in freier Wild­bahn zu sehen. Dafür sollte man sich idealer­weise einen Guide suchen, der sowohl die Umgebung als auch die Verhaltens­regeln bei einem Auf­einander­treffen kennt. Entsprechende „Outfitter“ findet man für jede Region von Québec auf der Website des Tourismus­verbands QuébecOriginal.

Die Walroute am Sankt-Lorenz-Strom

Walbeobachtung am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stroms: Mit dem Boot kommt man den riesigen Meeressäugern besonders nahe.
Walbeobachtung am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stroms: Mit dem Boot kommt man den riesigen Meeressäugern besonders nahe. © Marc Loiselle

Die „Route des Baleines“ (oder „Wal-Route“) verläuft auf einer Gesamt­länge von 1.250 Kilo­metern entlang des nördlichen Ufers des Sankt-Lorenz-Stroms von Tadoussac bis ins abgeschiedene Blanc-Sablon. Plant man einen Road­trip in diesen Teil von Québec, stehen die Chancen gut, auch zu Land Wild­tieren zu begegnen. Die Route erhielt ihren Namen jedoch aufgrund der drei­zehn Wal­arten, die sich in der Regel zwischen Mai und Oktober in den Gewässern des Sankt-Lorenz-Stroms aufhalten.

Auch wenn Sichtungen vom Ufer möglich sind, sollte man eine Ausfahrt mit Schiff, Schlauch­boot oder Kajak erwägen, um die Meeres­säuger – darunter Blau­wale – aus der Nähe zu beobachten. Besonders geeignet hier­für ist das nationale Meeres­schutz­gebiet des Saguenay–St. Lawrence Marine Park, das mit ein Grund dafür ist, warum derart viele Wal- und Fisch­arten in der Region an­zu­treffen sind. Der touristisch beliebteste Teil der Wal­route ist der 250 Kilo­meter lange, von Québec City aus leicht erreichbare südliche Abschnitt zwischen Tadoussac (hier befindet sich auch das für Besucher geöffnete Wal-Forschungs­zentrum CIMM) und Godbout.

Weiter östlich ist das Land all­mählich immer spärlicher besiedelt – ab einem bestimmten Punkt kommt man mit dem Auto nicht mehr weiter. Der Großteil der Besucher setzt daher bereits in Godbout oder Baie-Comeau mit der Fähre zum Süd­ufer des Sankt Lorenz über und fährt von dort entweder nach Québec City zurück oder erkundet die eben­falls sehr reiz­volle Halb­insel Gaspésie.

Gaspésie: Wildnis für Aktive

Der nordamerikanische Elch –„Moose“ genannt – fühlt sich auf der Halbinsel Gaspésie besonders wohl. Der mächtige Waldbewohner weiß sich jedoch gut zu tarnen.
Der nordamerikanische Elch –„Moose“ genannt – fühlt sich auf der Halbinsel Gaspésie besonders wohl. Der mächtige Waldbewohner weiß sich jedoch gut zu tarnen. © Michel Julien

Lässt man von Montréal oder Québec City aus in Richtung Nord­osten die gut besuchten Touristen­orte der Eastern Townships und die Québecer Wein­region hinter sich, ist man bald mitten auf der Halb­insel Gaspésie. Hinter den Küsten­orten Rivière-du-Loup und Rimouski wird die Land­schaft bald einsamer und wilder. Riesige Wälder, die alpine Tundra der Chic-Choc-Berge – nördliche Aus­läufer der Appalachen – und nicht zuletzt vier National­parks bieten intakte Öko­systeme und sind die Heimat zahl­reicher Wild­tiere, darunter Elch und Karibu, aber auch Schwarz­bär, Luchs oder Kojote.

Die Küsten der Halbinsel am Sankt-Lorenz-Strom und Atlantik – ganz besonders die „Land’s End“ genannte Ost­spitze – sind vor allem im Frühling und Sommer ein Paradies für Orni­thologen, aber auch Wal­beobachter kommen hier auf ihre Kosten. Auf­grund ihrer Weit­läufig­keit und Abgeschieden­heit ist die Gaspésie in der Regel ideal für alle, die ihr Natur­erlebnis mit Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Berg­steigen oder Kajaken verbinden möchten. Oder wie wäre es mit Schnorcheln in einem der Flüsse in der Gegend von Matapédia, um Atlantische Lachse zu beobachten?

Eine der fischreichsten Regionen von Québec ist Saguenay−Lac-Saint-Jean. Hier findet man im Süßwasser auch reiche Bestände an Atlantischem Lachs.
Eine der fischreichsten Regionen von Québec ist Saguenay−Lac-Saint-Jean. Hier findet man im Süßwasser auch reiche Bestände an Atlantischem Lachs. © Claude Bouchard

Biologische Vielfalt in Saguenay–Lac-Saint-Jean

Von Baie-Sainte-Catherine aus, etwa drei Autostunden von Québec City am Nordufer des Sankt-Lorenz gelegen, führt die sogenannte Fjord­route durch den Parc national du Fjord-du-Saguenay. Der gleich­namige Fjord ist mit gut 110 Kilo­metern einer der längsten welt­weit und beeindruckt durch spektakuläre hohe Granit­wände, an die große Wald­gebiete aus dem Hinter­land heran­reichen.

Ein Großteil der Route führt durch ein Tal, das auch „Vallée de la biodiversité“ genannt wird. Wie in der gesamten Region Saguenay–Lac-Saint-Jean zwischen Tadoussac und dem Lac Saint-Jean existiert hier eine besonders große Viel­falt unter­schiedlicher Öko­systeme. Dazu zählen Süß-, Brack- und Salz­wasser, zahl­reiche Seen und Flüsse, Berge sowie Misch- und boreale Wälder – Grund­lage für eine ein­malige Viel­falt an Pflanzen und Wild­tieren. Zu den Bewohnern zählen unter anderem Elche, Schwarz­bären, der Atlantische Lachs sowie viele andere Fisch- und Vogel­arten.

An der Mündung des Fjords in den Sankt-Lorenz-Strom bei Tadoussac befindet sich der Saguenay–St. Lawrence Marine Park – einer der besten Orte, um Wale zu beobachten. Die majestätischen Tiere profitieren von der Fülle der hier vorhandenen Nahrung, mit der sie von Früh­jahr bis Herbst ihre Energie­reserven auffüllen. Die kleineren Beluga­wale findet man in den Sommer­monaten auch fjord­ein­wärts: Ein besonders beeindruckendes Erlebnis ist See-Kajaken mit Belugas in der Baie Sainte-Marguerite.

Der größte National­park von Québec

Beeindruckendes Schauspiel im Frühling: Schneegänse machen auf ihrem Weg in die Arktis Rast am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms.
Beeindruckendes Schauspiel im Frühling: Schneegänse machen auf ihrem Weg in die Arktis Rast am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. © Mathieu Dupuis

Die beiden Verwaltungs­bezirke Laurentides und Lanaudière umfassen eine große, abwechslungs­reiche Region mit Bergen und frucht­baren Ebenen, Tausenden Seen und riesigen Wald­flächen nord­westlich der Metro­pole Montréal. Hier liegt auch der größte National­park der Provinz Québec, der Parc national du Mont-Tremblant, in dem 40 Säuge­tier­arten ein sicheres Zuhause haben, darunter Elche, Hirsche, Schwarz­bären, Biber, Otter, Nerze und Wölfe. Das Tier­leben im Parc national du Mont-Tremblant wird komplettiert durch knapp 200 Vogel­arten, 14 Klein­reptilien und gut 30 unter­schiedliche Fisch­arten, darunter einige gefährdete Spezies wie der Weiß­kopf­see­adler, die Wald­bach­schild­kröte oder die Schwimm­natter. Auf aus­gedehnten Wanderungen oder Kanu­fahrten kommt man mit etwas Glück in den Genuss, einige dieser Tiere zu sehen.

Eine ganz andere Perspektive vom National­park erhält man übrigens vom Kletter­steig Via Ferrata du Diable. In der Nähe des Kletter­steigs befindet sich auch das Discovery Centre. Ergänzend zum zentralen Besucher­büro Lac Monroe wird hier das Kultur- und Natur­erbe des Parks besonders gut dar­gestellt, und man erfährt alles über Flora und Fauna. Die Park Ranger beantworten gern alle Fragen, und es werden geführte Touren gegen Gebühr angeboten.

Natur pur und damit auch Begegnungen mit Wild­tieren sind auch außer­halb der National­park­grenzen Programm. Auf der Route 117, die von Montréal über den Ferien­ort Mont-Tremblant bis an die Provinz­grenze von Ontario führt und Teil­stück des Trans-Canada High­ways ist, taucht man mit jedem Kilo­meter tiefer ein in die unberührte Natur von Québec, findet jedoch über­all Ort­schaften und Ferien­resorts mit Über­nachtungs­möglich­keiten und Veranstaltern für Touren ins Hinter­land.

Wildnis ohne Risiko

Ein Polarwolf in der Auffangstation der „Ferme 5 Étoiles“ in Sacré-Coeur-Saguenay.
Ein Polarwolf in der Auffangstation der „Ferme 5 Étoiles“ in Sacré-Coeur-Saguenay. © Christian Savard

Wer es etwas bequemer mag, kann auch Wild­reser­vate, Natur-Abenteuer­zentren wie Aventuraid in Girardville oder Tier­parks wie den Parc Oméga in Montebello besuchen. Hier findet man neben ein­heimischen zum Teil auch exotischere Tiere aus aller Welt. Da erfolg­reiche Wild­tier­sichtungen in freier Natur immer von verschiedenen Faktoren abhängen (neben Jahres­zeit oder Wetter zählt hierzu natürlich auch Glück!), geht man unter fach­männischer Führung oder in einem Wild­tier­park deutlich weniger Risiko ein.

Tierauffangstationen wie die des Ferienhofs „Ferme 5 Étoiles“ in Sacre-Cœur-Saguenay sind dies­bezüglich eine gute Alter­native – hier lassen sich aktive Natur­erlebnisse mit dem garantierten Antreffen sonst scheuer oder seltener Tiere verbinden. In der „Ferme 5 Étoiles“ sind beispiels­weise Wölfe unter­gebracht, die in freier Wild­bahn nicht über­lebt hätten. Weitere ähnliche Einrichtungen sind auf der Website des Québecer Tourismus­verbands auf­geführt.

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