Destination BC/Graeme Owsianski

Zwischen goldenen Stränden und schnee­bedeckten Gipfeln

Wale, Grizzlybären und wunderschöne Land­schaften, entspannte Städte und tiefe Wälder – Vancouver Island ist der pazifische Garten Eden. Die Insel bietet eine atem­beraubende Viel­falt und besticht dabei mit über­raschend milden Temperaturen, die sogar Palmen gedeihen lassen. Willkommen im Süd­westen von British Columbia, wo Wildnis wirklich noch wild ist!

Auf der Land­karte kommt sie relativ unscheinbar daher: Vor der südlichen West­küste Kanadas befindet sich mit rund 31 Quadrat­kilometern die größte Insel von British Columbia, unweit der Metro­pole Vancouver. Und tatsächlich fühlt sich die Über­fahrt mit der Fähre von Vancouver so kurz­weilig an, dass man meinen könnte, das Fest­land noch gar nicht hinter sich gelassen zu haben. Doch schon bei der Ankunft wird klar, dass sich hier ein kost­barer Schatz verbirgt: weite Land­schaften, tiefe Wälder und im Hinter­grund das beeindruckende Berg­panorama der Vancouver Island Ranges.

Urbane Gelassenheit bei der Ankunft

Das Parlamentsgebäude in Victoria ist das bekannteste Relikt aus den Zeiten, als die Insel britische Kronkolonie war. Blumen und sogar Palmen, die hier dank des milden Klimas überleben können, runden das Stadtbild ab.
Das Parlamentsgebäude in Victoria ist das bekannteste Relikt aus den Zeiten, als die Insel britische Kronkolonie war. Blumen und sogar Palmen, die hier dank des milden Klimas überleben können, runden das Stadtbild ab. © Destination BC/Tanya Goehring

Bevor wir uns in die Wildnis aufmachen, erwarten uns erst mal städtische Abenteuer in Victoria oder Nanaimo. Die beiden Hafen­städte sind die ersten Anlauf­stationen für die Neu­ankömmlinge vom Fest­land. Victoria – mit rund 86.000 Einwohnern die Haupt­stadt der Provinz British Columbia – liegt an der Süd­spitze von Vancouver Island und besticht durch eine bezaubernde Architektur, die noch immer von dem großen Einfluss der Briten zeugt. Zahl­reiche bedeutende Museen, eine ausgezeichnete Gastronomie und Kultur-Festivals machen Victoria zum kosmo­politischen Herz der Region.

Etwas weiter nördlich ist Nanaimo an der Ost­küste von Vancouver Island der letzte urbane Zwischen­stopp und das Tor zur Wildnis. Das Stadt­bild ist etwas rauer und boden­ständiger, aber nicht weniger liebens­würdig. Der malerische Hafen ist Mittel­punkt und Haupt­augen­merk der 84.000-Ein­wohner-Stadt – doch auch die lebendige Pub- und Bar-Szene ist Grund genug für einen Aufent­halt.

Natur pur an der West­küste

Im Winter laden die weiten Strände am Pazifik zu ausgedehnten Spaziergängen ein, in den Sommermonaten tummeln sich hier vor allem Surfer in der Brandung.
Im Winter laden die weiten Strände am Pazifik zu ausgedehnten Spaziergängen ein, in den Sommermonaten tummeln sich hier vor allem Surfer in der Brandung. © Luca Pot d’Or

Wer nach Vancouver Island kommt, hält sich aber für gewöhnlich nicht lange in den größeren Städten auf, obwohl sie so reizvoll am Meer liegen. Die wilde Natur ist es, die zu Expeditionen ins Hinter­land lockt. Per Bus oder Auto sind viele, bei Weitem aber nicht alle Orte auf der Insel erreich­bar. An der Ost­küste führt immer­hin der Highway 19 hinauf in den Norden bis nach Port Hardy. Der Pazifik im Westen dagegen ist nur hin und wieder mal über kleinere Stich­straßen-Highways zu erreichen – doch diese Gelegen­heiten sollte man sich nicht ent­gehen lassen. Kurz hinter Nanaimo geht der Highway 4 vorbei an kristall­klaren Seen, alten Eisen­bahn­brücken, durch Regen­wälder, kleine Städte und die wolken­verhangenen Berge bis an die goldenen Strände der Süd­küste.

Von Tofino aus sind die Strände und Buchten – hier der Cox Bay Beach – nur wenige Minuten entfernt.
Von Tofino aus sind die Strände und Buchten – hier der Cox Bay Beach – nur wenige Minuten entfernt. © Destination Canada/Brian Caissie

Der kleine Ort Tofino versteckt sich nicht nur, ganz entrückt, an der Süd­west­küste von Vancouver Island, sondern auch noch an der Spitze einer Halb­insel am äußersten Ende der Straße. Gerade mal rund 2.000 Einwohner leben in den malerischen Holz­häusern auf dieser Halb­insel im Clayoquot Sound, doch Tofino ist auch über die Landes­grenzen hinweg bekannt. „Früher, in den siebziger Jahren, kamen hier junge Aus­steiger an, die vor der Zivili­sation flohen“, erzählt der Foto­graf Sander Jain. Er selbst kam vor rund acht Jahren nach Tofino, und der gebürtige Bonner verliebte sich auf Anhieb in den Ort und die Region. Auch heute noch zeugen Yoga­kurse, kleine Galerien und Surf­shops von ein wenig Hippie-Atmos­phäre. Doch obwohl die Uhren hier tatsächlich etwas langsamer ticken, herrscht in Tofino stets Betrieb­samkeit. Surfen in der Brandung am Long Beach, Wandern im riesigen Pacific Rim National Park oder mit dem Kayak durch die Buchten paddeln – Tofino ist für Bewegungs­hungrige ein entlegenes kleines Paradies. Gerade im Frühling, wenn die ersten warmen Sonnen­strahlen durch den Nebel kriechen, kann es schon mal richtig voll werden – aller­dings in erster Linie im Wasser. Bis zu 20.000 Pazifik-Grau­wale ziehen im März und April an der Insel vorbei – ein ein­maliges Natur­schau­spiel!

Auf Vancouver Island gibt es so viel Wildnis und natürlichen Reichtum. Ich liebe es, von der Kraft wilder Natur umgeben zu sein.
Sander Jain
Der Fotograf und Journalist Sander Jain lebt und arbeitet in Tofino – am liebsten ist er aber in der Wildnis unterwegs.
Der Fotograf und Journalist Sander Jain lebt und arbeitet in Tofino – am liebsten ist er aber in der Wildnis unterwegs. © Sander Jain

Entlang der Küste gibt es zahl­lose weitere Buchten, die nur mit dem Wasser­flug­zeug zu erreichen sind und wo sich schon früh die indigenen Ur­ein­wohner Kanadas angesiedelt haben. Die First Nations – wie sie heute genannt werden – waren die ersten Bewohner der Insel, lange bevor spanische See­fahrer 1774 als erste Europäer auf Vancouver Island landeten. Viele Völker gibt es heute nicht mehr, doch die indigene Kultur tragen die Ur­ein­wohner bis heute weiter. Es gibt geführte Touren, Museen mit traditioneller Kunst oder Zeremonien, die die Geschichte der indigenen Völker anschaulich und authentisch erzählen.

Viele Inseln und Buchten sind nur mit dem Boot oder dem Wasserflugzeug erreichbar. Wer hier lebt, genießt es, abseits der Zivilisation zu sein, und möchte vor allem seine Ruhe haben.
Viele Inseln und Buchten sind nur mit dem Boot oder dem Wasserflugzeug erreichbar. Wer hier lebt, genießt es, abseits der Zivilisation zu sein, und möchte vor allem seine Ruhe haben. © Luca Pot d‘Or

Wintersport auf der Insel

Weiter im Landesinneren gibt es noch viel ältere Zeit­zeugen – im Strathcona Provincial Park hat die letzte Eis­zeit noch Gletscher in den Furchen der Berg­kette hinter­lassen. Ob bei ausgiebigen Streif­zügen durch sommerliche Land­schaft oder in den herrlichen Ski­resorts im Winter – in luftiger Höhe kommen beim Blick aufs Berg­panorama der Vancouver Island Ranges Hochgefühle auf. Mount Cain auf 1.768 Höhen­metern ist das am höchsten gelegene Ski­gebiet auf Vancouver Island, das Mount Washington Alpine Resort lockt mit über zehn Metern Neu­schnee und perfekten Pisten­bedingungen jeden Winter Besucher aus der ganzen Welt an – kein Wunder bei der atem­beraubenden Kulisse samt Blick auf den Pazifik.

Die Winterlandschaft rund um den Mount Washington könnte zauberhafter nicht sein – hier trainierten 2010 vor den Olympischen Winterspielen gleich mehrere internationale Teams.
Die Winterlandschaft rund um den Mount Washington könnte zauberhafter nicht sein – hier trainierten 2010 vor den Olympischen Winterspielen gleich mehrere internationale Teams. © Mount Washington Alpine Resort

Wilde Tiere vor der Haustür

Nordöstlich des Gebirgszugs liegt die Kleinstadt Campbell River – benannt nach dem gleich­namigen Fluss, der hier ins Meer mündet. In diesem Fluss spielt sich all­jährlich ein ganz besonderes Natur­spektakel ab. „Nirgend­wo sonst kann man die Lachs­wanderung besser erleben als in Campbell River“, sagt Eiko Jones von „Salmon Safari/Canyon Diving“. Mit neugierigen Besuchern stürzt sich der Foto­graf immer wieder für den perfekten Schnapp­schuss in die Fluten des Campbell River. Berühmt­heit hat der Ort daher vor allem als „Lachs-Haupt­stadt“ erlangt. Aber nicht nur Touristen haben von den vielen Lachsen erfahren – „von Juni bis Ende September stehen Grizzly­bären oder Schwarz­bären in den Strom­schnellen und fischen die Lachse aus dem Wasser“, erzählt Jones. Der Lachs ist reich an Fett und Proteinen und hilft den Bären dabei, sich aus­reichend Winter­speck anzufressen. In der Straße von Georgia zwischen Vancouver Island und dem Fest­land sind auch Wale und Delfine keine Selten­heit. Wie in den Buchten vor Tofino treffen sich die Meeres­säuger auch hier während ihrer Wanderung von den kalifornischen Gewässern bis in die Bering­see.

Rund um Vancouver Island sind Walbeobachtungen keine Seltenheit. Grauwale, Buckelwale, Schwertwale (hier im Bild), kleinere Zwergwale oder Delfine tauchen regelmäßig vor der Insel und in den Buchten auf.
Rund um Vancouver Island sind Walbeobachtungen keine Seltenheit. Grauwale, Buckelwale, Schwertwale (hier im Bild), kleinere Zwergwale oder Delfine tauchen regelmäßig vor der Insel und in den Buchten auf. © Destination British Columbia

Ein letztes Abenteuer erwartet uns ganz im Norden – noch hinter Port Hardy, der letzten Stadt am Highway 19. Der Cape Scott Provincial Park zeigt einmal mehr die atem­beraubende Schön­heit der Natur in Kanadas Westen. Durch dichte Regen­wälder mit jahr­hunderte­alten Baumriesen führen Trails bis zu den Stränden zwischen den rauen Küsten­abschnitten. Die Gewässer sind Heimat für See­hunde, See­löwen oder Otter, tiefer im Park leben Bären, Wölfe und sogar Pumas.

Im Norden von Vancouver Island stehen die Chancen nicht schlecht, Bären in freier Wildbahn zu erleben – erst recht während der Lachswanderung im Sommer und im Herbst.
Im Norden von Vancouver Island stehen die Chancen nicht schlecht, Bären in freier Wildbahn zu erleben – erst recht während der Lachswanderung im Sommer und im Herbst. © Northern Vancouver Island Tourism/Steven Fines

Ein Paradies für Naturliebhaber

Diese einmalige Wildnis zeigt, wie geschützt und intakt die Natur auf Vancouver Island noch über­wiegend ist. Abseits der Städte Victoria und Nanaimo ist die Insel nur in geringem Maß besiedelt, deshalb sind Flora und Fauna hier fast über­all noch so ursprünglich und authentisch wie kaum anders­wo.

Naturliebhaber kommen in der schier end­losen Wildnis voll auf ihre Kosten, doch auch kulturell haben die großen und kleinen, allesamt aber äußerst entspannten Orte viel zu bieten. So viel­fältig, wie Vancouver Island ist, wird es aller­dings schwierig, das alles während eines einzigen Aufent­halts zu erleben. Viele Besucher kehren daher ein zweites, drittes oder viertes Mal zurück – und nicht wenige bleiben für immer!

Logo CANUSA

Sie wollen British Columbia erkunden? Entdecken Sie die kontrast­reiche Provinz mit CANUSA. Durch­stöbern Sie die aktuellen Angebote der Reise­experten oder rufen Sie direkt kostenfrei an! Tel. 040 / 227 25 399

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier