Ontario Travel

Niagarafälle

Die schönste Naturdusche der Welt, atem­beraubende Über­flug­­panoramen und ein erfrischender Spazier­gang auf den Spuren von Marilyn Monroe.

Bei vielen Naturwundern reicht häufig ein Besuch mit Wow!-Perspektive. An den Niagara­­fällen aber sollten es möglichst drei Annäherungen sein: zu Lande, zu Wasser und aus der Luft. Revue passieren lassen kann man das Gesehene danach am besten bei einem guten Chardonnay in einer der nahe gelegenen Wineries am Niagara Parkway …

Cheeeese! Sieben Fluggäste strahlen um die Wette, während Pilot Rene Huessy seinen „H130“ von Airbus Helicopters – bereits einen knappen Meter hoch über dem Boden schwebend – ein paar Mal so hin und her schwenkt, dass der Rotorwind die Frisur der davor stehenden Foto­grafin zerzaust und sie dennoch alle erwartungs­­froh lächelnden Passagiere knipsen kann.

Daumen hoch, Foto-Shooting beendet! Der Pilot zieht den hell­blauen Hubschrauber mit dem regen­bogen­­farbenen Streifen hinauf auf Reise­flug­­höhe und schwebt mit 210 Stunden­kilo­metern den Fluss­lauf des Niagara River entlang. Würde der Hub­schrauber nicht so brummen, wäre schon bald ein dunkles gleich­mäßiges Rauschen zu hören – von den sogenannten „Bridal Veil Falls“ auf US-amerikanischer Seite und den „Horseshoe Falls“ auf kanadischer. An einen Braut­schleier fühlten sich also die Namens­geber des kleineren Wasser­falls auf US-Seite erinnert, an ein Huf­eisen wiederum beim Anblick der auf etwa 700 Meter Breite in die Tiefe stürzenden Gischt auf kanadischem Terrain. Für dieses Erlebnis gehen hier mehr als 100.000 Gäste pro Jahr in die Luft – mit spezialisierten Anbietern wie etwa Niagara Helicopters.

Der Blick von oben begeistert und macht erfahrbar, weshalb ein Teil der Niagarafälle auch „Hufeisenfälle“ genannt werden.
Der Blick von oben begeistert und macht erfahrbar, weshalb ein Teil der Niagarafälle auch „Hufeisenfälle“ genannt werden. © Canadian Tourism Commission

Rene Huessy fliegt die Horseshoe Falls im 90-Grad-Winkel an, darf aber hier nirgend­wo auf der Stelle stehen bleiben, weshalb es sich empfiehlt, die Kamera auf jeden Fall vor Erreichen der Falls richtig eingestellt und schuss­bereit zu haben, um nun bei jeder einiger­maßen passenden Neigung des Hub­schraubers auf den Auslöser drücken zu können. Der beste Platz dafür ist der neben dem Piloten, denn hier lassen sich – bei geschickter Kamera-Haltung – durchs Fenster Fotos ohne Spiegelung der Heli-Scheibe schießen.

Die schönsten Motive bieten sich in der letzten Anflug-Phase, denn hier ist die gewaltige Wasser­wand der Fälle mit der Hunderte Meter hoch aufsteigenden Gischt schon groß zu sehen, ebenso aber auch das breite, scheinbar flache Fluss­bett, in dem der Niagara River auf die „Huf­eisen­fälle“ zuströmt. Jetzt bloß nicht den Anfänger­­fehler machen und zwischen­durch die soeben geschossenen Bilder auf dem Kamera-Display begutachten! Sondern statt­dessen lieber pausenlos weiter­fotografieren. Denn der Pilot dreht nur ein paar Runden über die Falls und fliegt dann zurück zum Heliport. Zwölf Minuten nach dem Abheben heißt es: Kopf­hörer ab, Sitz­gurt öffnen – das freundliche Boden­personal hilft und bittet in eine Baracke neben dem Haupt­gebäude. Hier gibt es die „Cheese!“-Fotos vom Start. Fast alle greifen zu bei den DIN-A4-Abzügen für 25 Dollar pro Stück …

Der Helikopter-Flug eröffnet spektakuläre Perspektiven auf die tosenden Wassermassen, die hier in die Tiefe stürzen.
Der Helikopter-Flug eröffnet spektakuläre Perspektiven auf die tosenden Wassermassen, die hier in die Tiefe stürzen. © Canadian Tourism Commission

Und weil’s so schön war, gleich noch mal zurück zu den Niagara­­fällen! Mit dem Auto sind es vom Heliport aus nur ein paar Minuten. Und wieder ist es die von Weitem sicht­bare hoch aufsteigende Gischt, die den Weg dort­hin weist. In sie soll’s nun mitten hinein­gehen! Das Ausflugs­boot von Hornblower Niagara Cruises füllt sich am Anleger schräg gegen­über der Bridal Veil Falls mit Hunderten von lustigen roten, blauen oder gelben „Gespenstern“. So sehen die Passagiere aus, nachdem sie sich den im Fahr­preis enthaltenen Plastik-Poncho über­gezogen haben – der einzig wirksame Voll­kasko­­schutz gegen Ganz­körper­­wasser­schaden. Das Hornblower-Boot dampft los, kommt zunächst gut voran, stampft aber mehr und mehr durch die Fluten, je dichter es an die Horseshoe Falls herankommt. Und verharrt dann so lange vor dieser gigantischen Wasser­wand, bis wirklich jeder Passagier auf den Ober- und Unter­decks seine Niagara-Taufe bekommen hat – und die Gewiss­heit, eine Ameise zu sein angesichts dieser faszinierenden, sich auftürmenden Natur­gewalt.

Für ihren Abstecher ins kühle neblige Nass sind die Passagiere des Ausflugsschiffs bestens gerüstet: Regenponcho an und wasserfeste Kamera im Anschlag!
Für ihren Abstecher ins kühle neblige Nass sind die Passagiere des Ausflugsschiffs bestens gerüstet: Regenponcho an und wasserfeste Kamera im Anschlag! © Luca Pot d’Or

Filmproduzenten entdeckten diese Kulisse 1953 fürs Kino und ließen hier die Karriere eines Weltstars beginnen – über­schwäng­lich gefeiert von der „New York Times“: „Den sieben Welt­wundern hat Hollywood soeben zwei weitere hinzu­gefügt: die Niagara­­fälle und Marylin Monroe.“ Die atem­beraubend schönen, zugleich aber stets unheil­voll rauschenden und tosenden Wasser­­fälle dienten als Technicolor-Breit­wand­­kulisse für ein Beziehungs­drama. Und jeder Meter Weg, jede Treppe darin als Lauf­steg für ein bis dato weit­gehend unbekanntes blondes, verführerisches Pin-up-Girl in diversen charmanten Kleidern. „Niagara“ heißt dieser erste erfolgreiche Kino­film der Monroe mit Action im sogenannten „Scenic Tunnel“. Der führt – feucht und 46 Meter lang – noch heute aus einem Felsen heraus hinter die rauschende Wasser­wand der Horseshoe Falls. Beklemmend, denn so nah wie auf dieser Aussichts­­platt­form kommt man ihnen nirgends. Die Platt­form wurde ein Jahr vor dem „Niagara“-Dreh eröffnet, war „die“ Touristen­­attraktion der frühen Fünfziger und daher idealer Showdown-Schau­platz des Films.

An den Horseshoe Falls steigt die Gischt schon mal höher als die Fälle selbst – und weist, auch aus der Ferne, allen Besuchern den Weg zu diesem Naturschauspiel.
An den Horseshoe Falls steigt die Gischt schon mal höher als die Fälle selbst – und weist, auch aus der Ferne, allen Besuchern den Weg zu diesem Naturschauspiel. © Ontario Travel

Time to say goodbye? Noch nicht! Denn da ist ja noch der Table Rock, die Fels­formation seitlich der Horseshoe Falls. Auf diesem Plateau nähert man sich ihnen ein drittes Mal und erlebt die Fälle erneut aus atem­beraubender Perspektive: Hier donnern gerade etwa 4,2 Millionen Liter pro Sekunde 52 Meter in die Tiefe. Nicht abschreckend genug offenbar für viele „Daredevils“, die sich im vergangenen Jahr­hundert die Niagara­­fälle hinunter­stürzten. Annie Taylor über­lebte 1901 den Fall in einem Holz­fass, als sie wegen chronischer Geld­sorgen in diesem waghalsigen Stunt eine Chance auf ein wenig Reich­tum sah – der ihr trotz des erfolg­reichen Sturzes aller­dings verwehrt blieb. Von dem Briten Charles Stephens wurde 1920 nach seinem Niagara-Sturz nur noch der rechte Arm gefunden. Diese und andere Drauf­gänger-Geschichten gibt es in der sehens­werten „Daredevil“-Ausstellung.

Eine ganz besondere Stimmung kommt auf, wenn die Niagarafälle im Dunkeln von Strahlern erleuchtet werden.
Eine ganz besondere Stimmung kommt auf, wenn die Niagarafälle im Dunkeln von Strahlern erleuchtet werden. © Ontario Travel

Und nun gibt’s zwei Möglichkeiten: entweder bleiben, bis es dunkel wird, und staunen, wie sich die Niagara­­fälle mit der Dämmerung in ein buntes Farben­meer verwandeln samt spektakulärem Feuer­werk – dazu die Vorzüge der Stadt Niagara genießen mit ihren Restaurants, entspannten Bars oder einem nächtlichen Ausblick vom Riesen­rad! Oder weiter­fahren auf den Niagara Parkway, um in einer der dortigen Wineries den Abend bei einem guten Tropfen ausklingen zu lassen. Diese akkurat gepflegte Land­straße schlängelt sich kilo­meter­weit entlang der grünen Ufer­­promenade des Niagara River, teil­über­dacht von Bäumen, gesäumt von Golf­plätzen und weißen Landsitz-Villen der Marke „Vom Winde verweht“. Vor einer solchen flattert hier übrigens die kanadische neben der schwarz-rot-goldenen Flagge.

Winzer wie Klaus Reif haben im Süden Ontarios ideale Voraussetzungen für den Weinanbau vorgefunden – mittlerweile ist die Region auch international dafür bekannt.
Winzer wie Klaus Reif haben im Süden Ontarios ideale Voraussetzungen für den Weinanbau vorgefunden – mittlerweile ist die Region auch international dafür bekannt. © Ontario Travel

Klaus Reif, Gründer und Geschäfts­führer dieses Weinguts, öffnet die Tür seines Probier­­saals: ein umgebauter Pferde­stall von 1873. Chardonnay, Riesling, Gewürz­traminer – 16 verschiedene europäische Rebsorten baut er an. Wer hier einen deutschen Winzer identifizieren will, muss die aber gar nicht kennen. „Mir tun die Pfoschte ganz grad reinmache in de Erd“, pfälzert er und zeigt auf militärisch ausgerichtete Pflöcke mit daran angebundenen Reben, besetzt mit prallen Trauben­bündeln. Hunderte Meter weit ziehen sich die Reihen den sanften Abhang hinunter.

Eine Weinprobe in kanadischer Abendsonne: Gutes Wetter und guter Geschmack schließen einander in Ontario keineswegs aus!
Eine Weinprobe in kanadischer Abendsonne: Gutes Wetter und guter Geschmack schließen einander in Ontario keineswegs aus! © Ontario Travel

Im orange-rötlichen Abendlicht entkorkt Klaus Reif auf einem zum Steh­tisch umfunktionierten Weinfass einen Cabernet Merlot 2010 und erzählt, schuld an der „Reif Estate Winery“ sei Onkel Ewald. Der war 1977 ausgewandert, der 15-jährige Klaus besuchte ihn 1978 und war sofort derart fasziniert von Ontario, dass er Jahre später „rüber­machte“, zwei Wochen nach seinem Weinbau-Examen. Dabei hatte Onkel Ewald damals gar nichts mit Wein zu tun – er züchtete nur Trauben. Doch Neffe Klaus war beseelt von der Idee, hier ein Weingut aufzubauen. Und setzte alles dafür auf eine Papier­­serviette: Denn eine solche machte Klaus Reif zu einem Schuld­schein über 250.000 Dollar. Nicht ohne Risiko. Denn diese Gegend in Ontario war seiner­zeit noch ein weißer Fleck auf der Wein-Welt­karte – allerdings mit besten Voraus­setzungen, das erkannte Reif schnell: „Lehmig-sandiger Boden, darin gedeihen vor allem Riesling und alle Arten von Burgunder­trauben prächtig. Wir liegen auf dem 43. Breiten­grad – wie Bordeaux und Toskana, und wir haben 30 Prozent mehr Sonne als die Pfalz!“

Ein Umstand, der den Süden Ontarios bis weit in den Herbst hinein zu einem wohlig-warmen „Indian Summer“-Reise­ziel macht – vor allem für Wohn­­mobilisten und Bus­reisende. Aber auch Rad­wanderer finden hier ideale Bedingungen: gut ausgebaute Straßen und Wege, nur wenige Steigungen sowie viele gut ausgear­beitete Touren von Weingut zu Weingut (Anbieter z. B.: www.niagaraworldwinetours.com). Worüber Reif und seine heute etwa 250 Winzer-Kollegen wie Herbert Konzelmann und Gary Pillitteri sich freuen, denn von den jährlich etwa zehn Millionen Niagara-Falls-Besuchern biegen inzwischen Hundert­tausende zu deren Wineries ab, buchen Führungen, verkosten und kaufen reichlich gute Tropfen dieses längst weltweit renommierten Wein­bau­gebiets.

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