Jean-François Bergeron, Enviro Foto

Mit dem Eiskanu über den Sankt-Lorenz-Strom

Eine Winterreise in die Provinz­hauptstadt Québec City zur Vor­weihnachts­zeit ist besonders romantisch – abwechslungs­reich dagegen der Winter­karneval im Februar. Mit Nacht­paraden, Schnee­bädern, Konzerten und viel Action – darunter eine außer­gewöhnliche Winter­sport­art: Eiskanu­fahren, eine Wett­kampf­disziplin für Extrem­sportler, die in der Region auf eine jahr­hunderte­alte Tradition zurück­geht.

Kanus auf dem Sankt-Lorenz-Strom

Sportler steigen in ein Kanu – im Winter
© Défi canot à glace/M.Riendeau

Bereits die Ureinwohner von Québec nutzten Kanus für die Über­querung des Sankt-Lorenz-Stroms. Mit ihren Booten aus Baum­rinde befuhren sie den mächtigen Fluss zu jeder Jahres­zeit. Da dieser auf­grund seiner starken Strömung damals wie heute im Winter selten völlig zufror, dafür aber gefährliche Eis­schollen führte, mussten die Kanus strecken­weise gezogen und getragen werden. Damit die Boote dem Eis standhielten, verstärkten die Ur­ein­wohner die Baum­rinden­kanus zusätzlich mit Tier­haut.

Als die ersten Einwanderer sich im damaligen „Neu­frank­reich“ niederließen, erkannten sie schnell den Nutzen der Kanus und taten es den Ureinwohnern gleich. Vom frühen 17. bis zum späten 19. Jahr­hundert war das Kanu auch für sie eines der wichtigsten Transport­mittel. Vor allem die franko­kanadischen Pelz­händler – die „Voyageurs“ – beförderten ihre Waren damit über weite Strecken. Im Winter setzten sie bald auf schwerere Holz­kanus, die stabiler waren und besser über das Eis geschoben werden konnten.

Eine intensive genutzte Route über den Sankt-Lorenz-Strom war die knapp einen Kilometer lange Strecke zwischen Québec City und der heutigen Stadt Lévis am gegen­über­liegenden Ufer. Händler, Bauern, Boten und Privat­personen wagten täglich die Über­fahrt. Unfälle blieben vor allem im Winter aufgrund der Strömung und der Eis­schollen nicht aus. Schicksals­geschichten kursierten im ganzen Land, Helden und Legenden wurden geboren. Ende des 19. Jahr­hunderts über­nahmen Dampf­schiffe aus Stahl den Transport übers Wasser und durch das Eis, wenig später wurden erste Brücken errichtet. Die Kanus verschwanden allmählich aus dem Flussbild – die Legenden und Geschichten über wagemutige Eis­kanuten jedoch blieben lebendig.

Canot à Glace – das Eis­kanu­rennen

Sportler fahren in einem gefohrenen See Kanu
© Benoit Cecile

1894 beschlossen die Organisatoren des ersten Winter­karnevals von Québec, Eis­kanu­fahren als Wett­kampf­sport wieder­zubeleben: Im allerersten Rennen starteten vier Kanus in Lévis mit Ziel Québec City. Danach wurden erst in den 1930ern sporadisch wieder Rennen durchgeführt. Zur regel­mäßigen Veranstaltung entwickelte sich der „Canot à Glace“ schließlich 1955, als auch der Carnaval de Québec als jährlich wieder­kehrende Institution etabliert wurde. Seit 1984 gibt es sogar einen offiziellen Eis­kanuten­verband, die Association des Coureurs en Canot à Glace du Québec.

Die eisige Überfahrt ist heute nicht weniger riskant als früher: Nach wie vor führt der Sankt-Lorenz-Strom im Winter Eis­schollen unter­schiedlichster Größen, die sich häufig zu kleinen Eis­bergen stauen und den Weg zum anderen Ufer versperren. Natürlich sind die traditionellen Holz­kanus leichten Renn­booten aus Fiber­glas gewichen, und die Kanuten tragen wasser­feste Anzüge und Schuhe mit langen Spikes, die auf den Eis­schollen den nötigen Halt geben sollen. Die Original­strecke zwischen Québec und Lévis (und zurück) wird nach wie vor als Höhe­punkt der Saison während des Winter­karnevals im Februar befahren. Entlang des Flusses gibt es von Rimouski bis Montréal mittler­weile weitere Rennen, die zwischen Januar und März ausgetragen werden. Besonders Wage­mutige können das Abenteuer auch in ihrer Frei­zeit buchen und erleben.

Der Carnaval de Québec

Ein großer Plüschschneemann vor einem Markt
© Cecile, Benoit

Der Carnaval de Québec, der seit 1955 jährlich im Februar statt­findet, ist sicherlich nicht ganz unbeteiligt daran, dass das Eis­kanu­fahren weit über die Grenzen von Québec hinaus bekannt wurde. Die Veranstaltung ist fester Bestand­teil des gesell­schaftlichen Lebens in der Provinz­haupt­stadt geworden und macht jedes Jahr für Jung und Alt den kalten Winter etwas bunter und wärmer.

Aushängeschild des Winterkarnevals ist der „Bonhomme Carnaval“. Der prächtige Eis­palast dieses lebens­großen Schnee­manns und eine auf­wendige Nacht­parade sind neben Canot à Glace die bekanntesten Attraktionen des zwei­wöchigen Festivals (2019: 8. bis 17. Februar), das Besucher aus aller Welt anlockt. Dazu gibt es Eis­skulpturen, Sport­veranstaltungen, Kulinarik, Kunst und Musik im gesamten Stadt­gebiet. Kaum ein Restaurant, keine Bar und keine Einrichtung in Québec City lassen es sich nehmen, am legendären Winter­karneval mit­zu­wirken.

Winter Wonderland

eine weihnachtliche Straße
© Dupuis, Mathieu

Aber nicht nur im Februar ist Québec ein wunderbares Urlaubs­ziel. Vor allem die europäisch anmutende historische Alt­stadt – UNESCO-Welt­erbe seit 1985 – ist in der kalten Jahres­zeit ein echtes Winter­wunder­land: Im Dezember verwandeln sich die verwinkelten Gassen von Vieux-Québec mit ihren Boutiquen, Restaurants und Bars in ein romantisches Weihnachts­dorf mit festlicher Beleuchtung, zwei Weihnachts­märkten und zahl­reichen kulturellen Veranstaltungen.

Vor dem über der Altstadt und dem Sankt-Lorenz-Strom thronenden Hotel „Château Frontenac“, das 2018 seinen 125. Geburts­tag feiert, kann man den ganzen Winter über mit dem Schlitten die Dufferin Terrace entlang­sausen. Oder wie wäre es mit Schlitt­schuh­laufen an der historischen Place D’Youville oder einem Ausflug zu dem nur 30 Kilo­meter entfernten Eis­hotel?

Besucher, die noch tiefer in den Winter eintauchen möchten, fahren in eines der nahe gelegenen Winter­sport­gebiete: In Mont-Sainte-Anne, Le Massif de Charlevoix, im Stoneham Mountain Resort oder Le Relais Centre fallen pro Jahr durch­schnittlich über 400 Zentimeter Schnee für sorgen­freies Ski-, Snow­board- oder Schlitten­fahren. Und auch im Flach­land kann man fast überall Lang­lauf­ski oder Schnee­schuhe ausleihen, sich auf einen Hunde­schlitten, ein Schnee­mobil oder ein Fatbike setzen – oder eben mit dem Eiskanu über den Sankt-Lorenz-Strom paddeln.

Der Winter in und um Québec City ist abwechslungsreich und bietet viele Über­raschungen. Man sollte nur Winter­stiefel, Mütze und Hand­schuhe nicht vergessen!

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