Destination BC/Adam Wells

Bären, Elche, edles Camping

Wer an Kanada denkt, hat oft weite Land­schaften und wilde Tiere vor dem inneren Auge. Und tatsächlich bietet die Natur Kanadas beste Vor­aus­setzungen, um seltene Beobachtungen zu machen. Ganz oben auf der Liste: die „Big Five“. Damit gemeint sind die fünf größten Land­bewohner in der kanadischen Wildnis: Bären, Elche, Wapiti-Hirsche, Karibus und Wölfe. In der westlichsten kanadischen Provinz British Columbia – speziell in der Region Cariboo Chilcotin Coast – kann man sich diesen Wunsch auf viel­fältige Weise erfüllen: ganz nah an den Bären, mit einem gehörigen Schuss Adrenalin, oder aus sicherer Distanz vom Boot oder von einer festen Beobachtungs­station aus.

Der Bären­flüsterer

Spricht mit den Bären: Gary Zorn aus Likely am Quesnel Lake.
Spricht mit den Bären: Gary Zorn aus Likely am Quesnel Lake. © Jürgen Juchtmann

Es gibt viele Anbieter für Bären­beobachtung im Cariboo Chilcotin – aber nur einen Bären­flüsterer. Gary Zorn im 350-Seelen-Dorf Likely hat sich den Begriff „Bear Whisperer“ als Marken­zeichen schützen lassen. Der 72-Jährige mit deutschen Wurzeln ist in Kanada auf­gewachsen. „Bären gehören zu meinem Leben einfach dazu“, sagt Gary, als er uns auf eine Tour vor­bereitet: „Immer gelassen bleiben, wenn wir einem Bären begegnen – ich werde ihn dann ansprechen.“ Am nächsten Morgen heißt es früh auf­stehen, Abfahrt: 5.30 Uhr. Gary Zorn führt die Besucher tief in den Wald, lehrt sie, Bären­spuren zu erkennen und zu inter­pretieren. „Die beste Reise­zeit ist Ende August bis Ende September“, erklärt er, „Dann strömen die Pazifischen Lachse zum Laichen die Flüsse hinauf, und die Grizzlys feiern ein Fest­mahl vor dem langen Winter­schlaf.“

Mitten unter Grizzly­bären

Grizzlys beobachten – das gehört für viele Urlauber zum Kanada-Erlebnis dazu.
Grizzlys beobachten – das gehört für viele Urlauber zum Kanada-Erlebnis dazu. © Destination BC/Ted Hesser

Gary fährt seine Gäste mit dem Boot über den Quesnel Lake, den tiefsten Fjord-See in British Columbia, und auf Flüssen mitten zwischen die Bären. Für diesen Trip braucht man starke Nerven, denn Bären sind un­berechen­bar. Aber Gary hat alles im Griff: „Wie läuft das Fischen, Bär?“, fragt er mit tiefer Stimme – und mit brust­hoher Wat­hose im Fluss stehend – einen etwa 15 Meter entfernten Grizzly. Der hebt kurz den Kopf und frisst dann ungerührt weiter. Bären kennen Gary und tolerieren ihn und seine Gäste. Zorns neuestes Projekt heißt „Glamping auf dem Wasser“. Glamping, das ist die sprachliche Kombination aus „Glamour“ und „Camping“. Auf Pontons mit Zelten, die am Ende des nördlichen Arms im Quesnel Lake verankert sind, können Gäste die Natur mit fantastischem Aus­blick erleben. Die An- und Ab­reise erfolgt von Likely aus mit dem Motor­boot (zwei Stunden) oder mit dem Kanu (jeweils drei Tage).

Bären-Beobachtung aus sicherer Entfernung

Bären-Beobachtung vom Wasser aus oder aus fest installierten Beobachtungs­stationen offeriert die „Tweedsmuir Park Lodge“ am Chilcotin-Bella Coola Highway (Highway 20). Direkt vom Hotel und seinen bequemen Cabins aus sind zu Fuß eine Reihe von Beobachtungs­stationen erreich­bar, die aus sicherer Entfernung Fluss­biegungen über­blicken, an denen sich Bären tummeln. Oder man geht mit erfahrenen Führern auf Bären­suche. Zu Fuß oder mit dem Boot auf dem Atnarko River treibend.

An den Chilcotin Falls springen im August die Lachse.
An den Chilcotin Falls springen im August die Lachse. © Destination BC/Blake Jorgenson

Am nächsten Tag führt Gary uns zu den Chilcotin Falls am gleich­namigen Fluss, wo es ein besonderes Schau­spiel zu sehen gibt: Chinooks, die Pazifischen Königs­lachse, springen jedes Jahr im Spät­sommer die Strom­schnellen hin­auf. Es ist beeindruckend zu beobachten, mit welcher Energie diese Wander­fische den Wasser­fall über­winden.

Eine Wölfin mit vier Welpen

Wölfe sind scheu. Glücklich darf sich schätzen, wer sie in freier Wildbahn zu sehen bekommt.
Wölfe sind scheu. Glücklich darf sich schätzen, wer sie in freier Wildbahn zu sehen bekommt. © Eagle Wing Tours/Clint Rivers

Gäste aus Köln hatten kürzlich besonderes Glück. Gary konnte ihnen nicht nur Bären, sondern auch einen kapitalen Elch, ein seltenes Wald-Karibu – das ist eine Unter­art der Ren­tiere – und eine Wölfin zeigen, die mit vier Welpen am Ufer in der Sonne spielten. „Es ist nicht ungewöhnlich, Wölfe tags­über zu sehen – aber es gehört schon eine große Portion Glück dazu!“, betont Gary. Sichtungen des sagen­um­wobenen Tiers kommen noch häufiger in den Bergen vor. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, schaut in Auf­fang­stationen oder im „Northern Lights Wolve Centre“ in Golden vorbei.

In und an den Rocky Mountains kommen auch Elche, Karibus und Hirsche vor – oft so unvermittelt, dass sie einem einen ordentlichen Schreck einjagen können. Immerhin wird ein aus­gewachsener Elch bis zu drei Meter groß. Die kleineren Verwandten Wapiti und Karibu wirken zwar weniger ein­schüchternd, sind bei Wild­life-Enthusiasten aber ebenso begehrt. Ein guter Ort für entspannte Tier-Beobachtungen sind zum Beispiel der Manning Provincial Park im Süden von British Columbia, der Moose Valley Provincial Park oder Bowron Lake Provincial Park weiter im Norden.

Mit dem Kanu auf Elch-Safari

Unweit der alten Gold­gräber­stadt Barkerville liegt mit dem Bowron Circuit ein Paradies für Kanuten und Kajaker. Viele von ihnen nehmen sich acht Tage Zeit, um das von Bergen und Wäldern umgebene Recht­eck aus Seen zu bewältigen.

Elche gehören zu den größten Landtieren in Kanada. Vom Kanu aus sieht man sie in ihrer natürlichen Umgebung.
Elche gehören zu den größten Landtieren in Kanada. Vom Kanu aus sieht man sie in ihrer natürlichen Umgebung. © Destination BC/Albert Normandin

Es werden aber auch geführte Tages­touren angeboten, zum Beispiel mit Dave Jorgenson. Schon früh um sieben sind wir auf dem Wasser. Erst paddeln wir, dann treibt ein kleiner Flauten­schieber das Kanu an, dann paddeln wir wieder. „Letztens habe ich hier einen Elch gesehen – der hat eine richtige Show abgezogen“, sagt Dave und lacht. „Immer wieder hat er seinen Kopf unter Wasser gesteckt, um zu grasen, und dann geguckt, ob wir noch da sind.“ Das aus­gedehnte Gras­land am Nord­west­ende des Bowron Lake ist ein idealer Lebens­raum für Elche. „Aber auch Bären kommen her“, weiß Dave und zeigt uns Spuren der Sohlen­gänger, die auf Inseln im Gras­meer nach Erd­hörnchen gegraben haben. Wir sehen zahl­reiche Wasser­vögel und einige Biber, die eilig abtauchen, als wir näher­paddeln.

So viel Natur und verschiedenste Tiere gibt es vielleicht nirgendwo sonst zu sehen und erleben! Die natürlichen Lebens­räume sind zu großen Teilen noch unberührt, sodass die gesamte Wildnis zum Abenteuer wird – da spielt es kaum noch eine Rolle, ob am Ende ein Biber oder ein Grizzly vor die Kamera läuft.

Unterkünfte an der Route (neben den bereits genannten):

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