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Mit Erdgas unterwegs
 10 gute Gründe für Erdgas im Transportsektor

Im Individualverkehr ist Erdgasmobilität mit komprimiertem Erdgas – „Compressed Natural Gas“ (CNG) – längst umgesetzt und am Markt etabliert. Weltweit sind mehr als 17 Millionen Fahrzeuge mit einem Erdgasantrieb ausgestattet, auf Deutschlands Straßen sind täglich rund 100.000 Erdgasautos unterwegs. Ihnen stehen bundesweit mehr als 900 Tankstellen zur Verfügung. Als Kraftstoff für eine saubere Zukunft könnte Erdgas in Form von „Liquid Natural Gas“, kurz: LNG, auf minus 163 Grad Celsius heruntergekühltes und auf diese Weise verflüssigtes Erdgas, auch den Transportsektor insbesondere bei schweren Nutzfahrzeugen und in der Schifffahrt revolutionieren.

1. Größere Reichweite

Rund 1.500 Kilometer kann ein mit LNG-Technologie ausgestatteter Truck – wie etwa das Modell Stralis NP des italienischen Nutzfahrzeugherstellers Iveco – zwischen zwei Tankstopps zurücklegen. Das verflüssigte Erdgas hat eine 600-mal höhere Dichte als komprimiertes Erdgas, dadurch ist auch die Reichweite drei- bis viermal größer als bei CNG-Trucks – perfekte Bedingungen für den Fernverkehr. Im Juli durchquerte ein beladener LNG-Truck im Speditions-Einsatz erstmals Europa. Der spanische Spediteur Transordizia schickte einen Stralis NP, der den alternativen Kraftstoff in zwei 540-Liter-Tanks mit sich führte, von Madrid nach Hamburg. Eine Strecke, die erstmals mit dieser Kraftstoffalternative bewältigt wurde. Transordizia nutzt LNG-betriebene Fahrzeuge bereits seit 2013 auf kürzeren Strecken und will langfristig seine gesamte Flotte umstellen.

2. Mehr Liefer-Unabhängigkeit

Die Nutzung von LNG als Kraftstoff mindert die Abhängigkeit von einzelnen Energielieferländern. Im vergangenen Jahr bezog Deutschland Erdgas aus fünf verschiedenen Ländern. Wichtigstes Lieferland mit einem Anteil von 40 Prozent war Russland, gefolgt von den Niederlanden mit 29 Prozent sowie Norwegen mit einem Anteil von 21 Prozent. Dänemark, Großbritannien und sonstige Länder hatten mit 3 Prozent den geringsten Anteil am Erdgasimport. Die deutsche Inlandsförderung lag mit 7 Prozent um 2 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr.

Saubere Sache vor Ort – an Bord
Der klimaschonende und kohlenstoffarme Kraftstoff LNG stellt vor allem im Bereich der Schifffahrt eine saubere Alternative zum Marinediesel dar. © Oleksandr Kalinchenko/iStock/Thinkstock

3. Saubere Sache vor Ort – an Bord

Im Vergleich zu Dieselkraftstoff produziert der Ausstoß von LNG weniger CO₂- Emissionen. Der klimaschonende und kohlenstoffarme Kraftstoff stellt angesichts immer strengerer Umweltauflagen vor allem im Bereich der Schifffahrt eine saubere Alternative zum Marinediesel dar. Liegt ein Schiff im Hafen, belastet die konventionelle Stromversorgung die Umwelt mit Atemgiften, Feinstaub, Stickoxiden und Schwefeldioxid. Mit LNG betriebene Schiffe stoßen weder Feinstaub noch Schwefeloxide aus. Der Schiffs-TÜV und Prüfkonzern DNV GL schätzt, dass bis 2020 rund 1.000 Schiffe mit LNG unterwegs sein könnten. Vor allem die Kreuzfahrtbranche, die für ihren besonders hohen Stromverbrauch bekannt ist, bereitet sich mit ersten Pilotprojekten auf die LNG-Versorgung ihrer Schiffe vor. Seit diesem Jahr wird etwa die „AIDAprima“ am Hamburger Kreuzfahrtterminal Steinwerder von Tanklastwagen aus mit flüssigem Erdgas für die Bordstromerzeugung versorgt. Auch das schwimmende Flüssiggaskraftwerk „Hummel“ liefert Kreuzfahrtschiffen saubere Energie. Mit fünf Gasmotoren stellt es eine Leistung von 7,5 Megawatt bereit. Das entspricht in etwa der Leistung von zwei Windkraftwerken an Land. Bis 2030 soll die internationale Seeschifffahrt potenziell der größte LNG-Verbraucher im Verkehr sein, schätzen die Experten des DNV GL.

4. Reinere Luft im Nutzverkehr

Da anders als beim Dieselkraftstoff bei der LNG-Nutzung kaum Feinstaub anfällt sowie 35 Prozent weniger Stickoxide und 10 Prozent weniger Kohlendioxid, können vor allem schwere Lkw, die den mit Abstand meisten Kraftstoff verbrauchen, durch Umstellung auf LNG einen erheblichen Beitrag für einen klimaschonenderen Nutzverkehr leisten. Der Einsatz von LNG ist also gut für die lokale Luftqualität, zumal bis 2040 die Fahrleistungen von Lkw deutschlandweit um 39 Prozent auf fast 116 Milliarden Kilometer steigen sollen. Ihr Anteil am Energiebedarf aller Nutzfahrzeuge soll, von heute 79 Prozent, auf 83 Prozent zulegen, heißt es in der Shell-Nutzfahrzeugstudie 2016.

 5. Leiser unterwegs

Lkw mit speziell auf LNG ausgelegten Motoren sind bis zu 70 Prozent leiser als ein dieselbetriebener Truck. Die deutlich geringere Lärmbelästigung entlastet vor allem Anwohner in Innenstädten, die vom Lieferverkehr betroffen sind. In den Niederlanden habe sich die Lärmreduzierung bereits zum Markttreiber entwickelt, schreibt die Deutsche Energie-Agentur in ihrer Potenzialanalyse „LNG in Deutschland“. LNG-Lkw ist es in unserem Nachbarland erlaubt, für Lieferzwecke auch in den frühen Morgenstunden in die Innenstädte zu fahren. Die geringeren Lärmemissionen bedeuten daher einen direkten Wettbewerbsvorteil für LNG-Flottenbetreiber.

6. Auf Kurzstrecke und auf Langstrecke

Mit Erdgas (LNG und CNG) betriebene Lkws können auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Schon jetzt sind sie zum Beispiel im innerstädtischen Verkehr unterwegs – etwa für die Müllabfuhr –, aber auch für Langstreckentransporte. Im Individualverkehr ist die Gasmobilität bereits ebenfalls etabliert. Die Gründer des Hamburger Start-ups Fjuhlster, Andreas Findeisen und Jan Luca Plewa, arbeiten daran, emissionsarme CNG-Erdgasfahrzeuge mit einer App ins flexible, sogenannte Free-Floating Carsharing zu bringen. Dabei stehen die Fahrzeuge nicht an festen Mietstationen, sondern sind innerhalb des Geschäftsgebiets spontan mietbar. Nach der Fahrt können sie auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. Das Projekt soll bis 2018 verschiedene Entwicklungsphasen durchlaufen, mit dem Ziel, ökologisch nachhaltiges Biomethan einzusetzen.

7. Kosteneffiziente Alternative

Aufgrund seiner hohen Energiedichte ist LNG preisgünstiger als herkömmlicher Kraftstoff. In einem Bericht der EU-Initiative „Clean Power for Transport“ zur nachhaltigen Strategie für alternative Kraftstoffe heißt es: „Erdgas in flüssiger Form (LNG) ist eine kosteneffiziente Alternative zu Diesel […]. LNG eignet sich besonders für den Langstrecken-Güterverkehr, bei dem die Alternativen zu Diesel nur äußerst begrenzt sind.“

Besser für Boden, Wasser und Gesundheit
Umweltrisiken für Boden, Wasser oder Gesundheit sind geringer als bei herkömmlichen Kraftstoffen. © Zukunft ERDGAS

8. Besser für Boden, Wasser und Gesundheit

Die Erdgasqualität von LNG ist standardisiert, die Verbrennung erfolgt sauber. Auch die Umweltrisiken für Boden, Wasser oder Gesundheit sind geringer als bei herkömmlichen Kraftstoffen, heißt es in der Potenzialanalyse „LNG in Deutschland“  der Deutschen Energie-Agentur.

9. Gesicherter Nachschub

Aus geologischer Sicht ist die Versorgung der Welt mit Erdgas noch viele Jahrzehnte lang gewährleistet, da das Gas weltweit in großen Mengen vorhanden ist. Zwar war der weltweite Erdgashandel 2014 insgesamt rückläufig, aber der Handel mit LNG nahm auf Kosten leitungsgebundener Transporte zu. Das LNG-Angebot kann in den kommenden Jahren eine entspannte Versorgungslage gewährleisten, so die Autoren der „Energiestudie 2015“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

10. Schnell und effizient um die Welt

Auf ein Sechshundertstel seines Volumens reduziert, lässt LNG sich mit großen Spezialtankern gut über lange Strecken transportieren – der Transport ist dadurch nicht mehr an Pipelines gebunden und ermöglicht so eine flexiblere Reaktion auf mögliche Lieferengpässe und einen besseren Zugang zum Weltmarkt. Zwar ist die nötige Infrastruktur aufwendig, sie kann jedoch erheblich schneller und – ab einer Strecke von 2.500 Kilometern – kostengünstiger realisiert werden als der Bau langer Pipelines.


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