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„Das geht auch besser!“

Es ist paradox: Obwohl der Ausbau erneuerbarer Energien massiv vorangetrieben wird, sind die Treibhausgas-Emissionen nach wie vor hoch. Ursache ist die starke Stromgewinnung aus Kohle. Setzen wir bei der Energiewende noch die richtigen Prioritäten? Wir haben uns bei den Referenten der ZEIT Konferenz „Energie und Klimaschutz“ einmal umgehört.

Haben wir bei der Energiewende das Ziel, CO2 einzusparen, aus den Augen verloren?

Wer ist „wir“? Ein Großteil der Bevölkerung weiß, um was es geht, und unterstützt die Energiewende. In der derzeitigen Umbruchsituation, in der wir von einer fossilen in eine post- fossile Wirtschaft übergehen, gibt es natürlich auch Verlierer. Und die wehren sich gegen ambitionierte Klimapolitik. Da erwarte ich von der Politik ein Gegensteuern.
Sabrina Schulz, Mitglied des Aufsichtsrats von Greenpeace

Das Pariser Klimaabkommen ist die wichtigste Einigung, die die internationale Staatengemeinschaft für den Schutz des Klimas bislang auf den Tisch gelegt hat. Das Ziel ist dort klar definiert: Keinesfalls dürfen wir eine Erderwärmung von 2 Grad akzeptieren, besser mit 1,5 Grad deutlich darunter bleiben! Parteiübergreifend haben Bundestag und Bundesrat das Klimaabkommen ratifiziert. Doch zwischen dem politischen Wollen und dem politischen Handeln besteht eine offensichtliche, große Diskrepanz. Notwendige Zwischenziele und konkrete Handlungsvorschläge für echten Klimaschutz werden derzeit zwischen den verschiedenen Interessen zu Staub zermahlen. Dabei eröffnet die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise ökonomische Chancen und kann ein Motor für Innovation und Modernisierung sein. Eine umfassende CO2-Einsparung gelingt nur mit erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in allen Sektoren. Strom, Wärme und Mobilität – das geht alles auch sauber.
Fritz Brickwedde, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e.V.

Die Reduktion des Ausstoßes klimaschädlicher Gase ist ein wesentliches Ziel der Energiewende. In manchen Ländern kann die Energiewende sogar zu einer Erhöhung der spezifischen CO2– Emissionen führen, wie am Beispiel Deutschland zu erkennen ist. Dieser Effekt ist aber temporär und durch das Marktdesign zu erklären.
Prof. Armin Schnettler, Leiter des Konzernforschungsbereichs “Energy and Electronics“, Siemens Corporate Technology

Wir haben nicht das Ziel, aber seine möglichst effiziente Umsetzung aus den Augen verloren. Technologieoffenheit, ein Wettbewerb der Ideen mit daraus folgenden Produkten und CO2– Vermeidungskosten als oberster Maßstab können uns wieder in die Spur bringen. Nur, wenn wir Ökonomie und Ökologie gemeinsam denken, können wir auch über Deutschland und Europa hinaus Anreize zum Umsteuern geben.
Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft

Wir sollten uns immer wieder an die richtigen Ursprünge der Energiewende erinnern und dabei bedenken, dass die aktuell bestehende Summe der Partialinteressen nicht zu einer erfolgreichen Energiewende führen wird. Auch das Thema Regulierung ist von großer Bedeutung. Die Regulierung muss sich dieser Verantwortung bewusst sein und deshalb Konsistenz und Investitionssicherheit bieten, denn die Technik eilt der Regulierung immer voraus.
Prof. Stephan Reimelt, CEO General Electric Deutschland und Österreich


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