Frohes Schaffen! – Vom Sinn (oder Unsinn) der Arbeit

Ohne Sinn kaum Motivation. Und ohne Motivation wenig Leistungs­bereit­schaft im Job. Das leuchtet ein – und rückt die Frage nach dem ganz persönlichen Sinn, den jemand in der Arbeit findet, in den Vorder­grund. Organisations­berater Fritz B. Simon weiß, wie es um die Sinn­frage steht und welche Fall­stricke lauern.

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Vor der Frage nach dem Sinn steht die Frage nach dem Geld. „Zunächst muss der Mensch seine Existenz sichern, also seinen Lebens­unter­halt verdienen. Die Sinn­frage ist für ihn erst mal zweit­rangig“, sagt Professor Dr. med. Fritz B. Simon, Psycho­analytiker, Therapeut, wissen­schaftlicher Autor und Organisations­berater. Die Frage nach dem Sinn in der Arbeit stellen sich Arbeit­nehmer*innen erst, wenn sie verschiedene Job-Alternativen haben. Dann fragen sie sich, wie und womit sie ihre Arbeits­zeit und damit einen großen Teil ihrer Lebens­zeit verbringen wollen. Potenzielle Arbeit­geber*innen sollten also für Sinn sorgen beziehungs­weise Rahmen­bedingungen schaffen, damit Mitarbeiter*innen Sinn in ihrer Tätigkeit finden können.

Sinn ist individuell geprägt

Doch worin finden Beschäftigte Sinn im Job? Ist solch ein „Sinn“ nur Menschen vergönnt, die in helfenden Berufen arbeiten oder für Unter­nehmen tätig sind, die auf eine positive Veränderung der Welt zielen, wie beispiels­weise Umwelt­schutz­verbände oder Entwicklungs­organisationen? „Die Sinn­frage wird von Menschen ganz individuell beantwortet“, sagt Simon. „Der eine möchte etwas für andere Menschen tun, die Nächste will berühmt werden oder die Welt verändern. Wieder ein anderer erkennt Sinn in der Pflege seines Klein­gartens. Wer in einem Dienst­leistungs­unter­nehmen oder im Hand­werker arbeitet, findet vielleicht Sinn darin, eigenen Qualitäts­ansprüchen zu genügen, also seine Sache gut zu machen – und das wiederum kann sogar mit den Zielen des Arbeit­gebers kollidieren, der, zum Beispiel aus Effizienz­gründen, mit mittel­mäßiger Qualität eher zufrieden wäre.“

Doch auch eine Reihe äußerer Faktoren ist – unabhängig vom Arbeits­inhalt – dem Wohl­befinden von Mit­arbeitenden zuträglich und gibt ihnen ein Gefühl von Sinn. Dazu gehören eine möglichst große Entscheidungs­frei­heit, die Identifikation mit dem herzu­stellenden Produkt oder der Dienst­leistung, die Chance, jeden Tag etwas Neues zu lernen, aber sogar auch eine leichte Über­forderung – die die Möglichkeit bietet, sich persönlich weiter­zuentwickeln. Ob Arbeit­nehmer*innen Sinn im Job erfahren, hängt laut Professor Simon auch davon ab, ob die Sinn­kriterien der jeweiligen Persönlich­keit zum Arbeits­gebiet passen. Wer zum Beispiel eine hohe Entscheidungs­frei­heit schätzt, kann in einer industriellen Produktion, die streng geregelte Prozesse erfordert, schwerlich eine sinn­erfüllende Tätigkeit sehen.

Wie Arbeit sinnstiftend werden kann

Sollten wir denn überhaupt nach Sinnerfüllung in der Arbeit streben? „Wer Sinn nur am konkreten Arbeits­platz sucht, lebt gefährlich“, sagt Simon. „Man kann mit leeren Händen dastehen, wenn man den Job verliert oder ihn nicht mehr ausüben kann.“ Klüger sei es, Sinn in der aus­geübten Profession an sich als in dem konkreten Arbeits­verhältnis zu suchen. Auch außer­halb des Berufs ließen sich viele sinn­stiftende Lebens­bereiche und Anker­punkte finden. Dazu zähle in erster Linie die Familie – aber es könne auch der Hund oder die Brief­marken­sammlung sein. Viele Frauen, die sich für Familie statt Karriere entscheiden, haben sich die Sinnfrage gestellt, meint Simon. Falls die Bedingungen es ihnen nicht erlauben, Familie und Job unter einen Hut zu bringen, entscheiden sie sich – vollkommen rational – für die Familie, weil die viel zuverlässiger ein sinn­stiftender Lebens­bereich sein könne.

Jeder Mensch sollte Sinn im Job finden.
Bettina Lagler, Leiterin „Kunden­service Leistung Gesundheit“ bei der ERGO Group

Mit der Sinnfrage beschäftigt hat sich auch Bettina Lagler, die bei der ERGO Group ein Team von zehn Mitarbeiter*innen in der Abteilung „Kunden­service Leistung Gesundheit“ leitet. „Jeder Mensch sollte Sinn im Job finden“, sagt sie. „Wer keinen Sinn darin sieht, wird irgendwann krank.“ Sinn­voll sei, was erfüllend ist und einen Menschen zufrieden oder sogar glücklich macht.

Bettina Lagler sieht ihren persönlichen Sinn darin, die best­mögliche Leistung zu erbringen und dazu beizutragen, die Ziele ihres Unter­nehmens zu erreichen. Dazu gehört auch, ihre Team­mit­arbeiter*innen dazu zu motivieren, ihre Aufgaben im Sinne der Firma so gut wie möglich zu erledigen. „Ich möchte gute Qualität abliefern – das tue ich hier in meiner Funktion bei ERGO. Wäre ich Ärztin, würde ich vergleichbar handeln. Dann wäre mein wichtigstes Anliegen, meine Patienten gesund zu machen.“

Doch da ist noch ein weiterer Aspekt, der Bettina Lagler bei ihrer Arbeit Sinn gibt: „Ich finde es wunder­bar und sinn­voll, die Wünsche der Kunden – wenn irgend möglich – zu erfüllen und sie zufrieden­zustellen. Grund­sätzlich bedeutet es mir viel, wenn ich Rahmen­bedingungen schaffen kann, die andere Menschen froh machen. Das bezieht sich auch auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn ich sehe, dass sie sich bei ihrer Arbeit wohlfühlen und sie mit Freude erledigen, macht mich das zufrieden, und ich finde mein Vorgehen sinnvoll.“

Bettina Lagler sieht also Sinn in ihrer Arbeit. Und was würde passieren, wenn sie ihren Job verlöre? „Dann gehe ich in einem anderen Job auf Sinn­suche. Neben der Arbeit kann man allerdings auch in anderen Lebens­bereichen Sinn entdecken: in der Familie, im Freundes­kreis, in der Natur – oder darin, sich weiter­entwickeln und neue Erkenntnisse zu erlangen.“

Bedingungen schaffen, die Sinn­findung ermöglichen

Allerdings schafft nicht jedes Unternehmen Rahmen­bedingungen, in denen die Mit­arbeiter*innen ihre Bedürfnisse nach Sinn­haftig­keit entwickeln können und sich in der Folge emotional an ihren Arbeit­geber binden. Nur 15 Prozent aller Angestellten, besagt der aktuelle Gallup-„Engagement Index Deutschland“ zur Mit­arbeiter­bindung, identifizieren sich voll und ganz mit ihrer Firma und deren Zielen.

Bettina Lagler gehört zu dieser Gruppe. Sie findet bei der ERGO Group und vor allem bei ihren direkten Vorgesetzten eine Atmos­phäre vor, in der sie sich entfalten kann. Sie fühlt sich wertgeschätzt, empfindet die Kommunikation als transparent, als offenen Austausch, sieht ein faires Miteinander und im Rahmen ihrer Kompetenzen eine große Entscheidungs­freiheit. „An meinem Arbeits­platz herrschen Bedingungen, die meinen Wunsch nach Sinn­haftig­keit erfüllen.“

Und wie steht’s mit dem Geld? Spielt es beim Thema Sinn eine Rolle? Die Antwort von Bettina Lagler ist klar. Ja, Geld spiele eine Rolle. Zum einen sei es existenziell wichtig für die Sicherung des Lebens­unter­halts. Zum anderen sei es Ausdruck der Anerkennung. „Ich werde angemessen und fair honoriert. Das ist bei Weitem nicht der einzige, aber ein wichtiger Faktor der Wertschätzung, die mein Arbeit­geber mir gegen­über damit ausdrückt – und die Grund­lage dafür ist, dass ich meine Arbeit als sinn­voll empfinde und mich für mein Unter­nehmen einsetze.“

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