X + Y + Z = ERFOLG

So geht gutes Generationen­management

Die Altersunterschiede am Arbeits­platz werden immer größer. Da können durchaus mal 45 Jahre zwischen der Auszubildenden und dem Einkaufs­leiter liegen. Tendenz steigend. Während die Jungen ins Berufs­leben starten, arbeiten die Alten immer länger. Im Jahr 2060, so das Statistische Bundes­amt, wird jeder dritte Arbeit­nehmer älter als 65 Jahre sein. Schon heute treffen Baby­boomer und Generation X im Unter­nehmen auf die Generation Y und Z und damit auf völlig unter­schiedliche Auf­fassungen davon, wie Arbeit gestaltet sein soll.

Austausch am Arbeitsplatz – jüngere und ältere Mitarbeiter können viel voneinander lernen
© ERGO Group AG / Jochen Manz

Bei der Generation Y (Geburts­jahre 1986–2000) steht der höhere Sinn (Purpose) im Fokus, während der Generation X, auch Generation Golf genannt (1973–1985), das berufliche Voran­kommen und das Streben nach Führungs­positionen besonders wichtig ist. Für die Baby­boomer (1945-1972) ist Arbeit und Freizeit gleicher­maßen von Bedeutung − laut Befragungen der Charta der Vielfalt. Der Generation Y ist Freizeit dagegen fast doppelt so wichtig wie Arbeit. Stich­wort: Work-Life-Balance. Den Jüngsten, Generation Z (geboren ab 2000), ist ihr Wohl­stands­niveau besonders wichtig. Dabei sind sie in Zeiten der Globalisierung verunsichert, haben aber alle Möglichkeiten und damit die Qual der Wahl.

Wie aus den unterschiedlichen Generationen ein Team wird und die Gleichung X + Y + Z = Erfolg aufgeht, das weiß Katrin Weitz. Die 57-Jährige ist Gleich­stellungs­beauftragte und Diversity Managerin bei der ERGO Group. „Unser Büro ist ein gutes Beispiel. Wir sind zu dritt. Meine Kollegin ist Mitte 30, die andere Mitte 40 und ich bin Ende 50, also Generation Y, X und ich als Baby­boomerin“, sagt Weitz. Seit 17 Jahren sorgt sie im Unter­nehmen dafür, dass die Mit­arbeiter*innen die Wahl haben. Und genau darin liege die Lösung für gutes Generationen­management, so die Expertin. Wichtig ist, dass die Mit­arbeiter*innen erleben, dass es keinen Nach­teil mit sich bringt, wenn sie in einer bestimmten Lebens­phase einige Jahre mal kürzertreten. „Erfolg­reiche Unter­nehmen werden in Zukunft Arbeits­modelle für alle Lebens­phasen anbieten müssen. Und das schließt eben Angebote für die unter­schiedlichen Bedürfnisse der Generationen mit ein“, sagt Weitz. So kann der Baby­boomer perspektivisch etwas kürzertreten, wenn es die Gesund­heit erfordert, genauso wie der junge Familien­vater aus der Generation Y, der sein Baby nicht nur im Schlummer­zustand erleben möchte.

„Wir sind schon heute eine Caring Company, also ein Unter­nehmen, dass versucht, Mit­arbeiter*innen zu umarmen und an das Unter­nehmen zu binden. Denn wir haben inzwischen sehr viele Maß­nahmen und Optionen, von denen die Mit­arbeiter*innen profitieren können, etwa Führung in Teil­zeit, Home­office-Möglich­keiten, Kinder­betreuung und Beratung für die Betreuung der Eltern. Jetzt müssen all diese Angebote von unseren Mit­arbeiter*innen auch genutzt und gelebt werden. Da ist ein Umdenken nötig“, fordert Weitz. Zentral dabei sei, und das hätten viele interne Work­shops gezeigt, dass die Generationen tolerant mit­einander sein müssen. Weitz erinnert sich: „Unsere erste Generationen­werk­statt haben wir ‚Stones Groupies treffen Tokio Hotel-Fans‘ genannt, das traf den Zeit­geist 2012.“ Einig­keit herrschte unter den Generationen auch bei den anschließenden Aus­tausch-Formaten darüber, dass Vertrauen zentral sei für das gute Mit­einander und dass es ein wichtiges Ziel sei, den Neid-Faktor zu minimieren. „Der Wunsch nach mehr Freizeit ist übrigens stark im Kommen, aber mein Ein­druck ist auch, dass dies für alle Generationen von Bedeutung ist“, sagt Weitz.

Inspiriert da etwa eine Generation die andere? So kann das lebens­lange Lernen funktionieren – mit- und von­einander. Immer mehr Unter­nehmen sehen den demo­grafischen Wandel wie die ERGO Group als Chance. Generationen­viel­falt als Erfolgs­faktor. Wenn das Lernen von­einander funktioniert, sind alters­gemischte Teams ein Gewinn. Im Vergleich zur klassischen Weiter­bildung ist dieser Austausch sogar kosten­los und effizient. Wichtig dabei ist, dass der Alters­unter­schied groß genug ist, damit keine Konkurrenz entsteht. Die älteren Mit­arbeiter*innen dürfen nicht an ihrem Wissen festhalten, und die jungen Mit­arbeiter*innen müssen sich darauf einlassen, etwa beim Thema soziale Medien viel Auf­klärungs­arbeit leisten zu müssen. Weitz verrät: „Bei uns ist ein besonderes Generationen-Projekt geplant. Reverse Mentoring ist das Zauber­wort. Mentoring mal andersrum. Da coacht der Junior den Senior.“

Ähnliche Projekte in anderen Unter­nehmen haben schon bewiesen: Generationen-Tandems sind Erfolgs­geschichten. Wenn der alte Hase vom jungen Hüpfer lernt. Es geht um den Wissens­transfer, denn Lernen ist keine Ein­bahn­straße.

Portrait von Katrin Weitz Katrin Weitz ist Gleich­stellungs­beauftragte und Diversity Managerin bei der ERGO Group und kümmert sich auch darum, dass junge und ältere Mitarbeiter gut zusammen­arbeiten © Fotostudio Hosenfeldt
X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier