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Gut gemacht! Top 5 der Netzreaktionen auf negative Kommentare

Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen – die Anzahl der Hasskommentare in den Sozialen Medien wächst. Jeder neunte aller Internet-User ist selbst schon mal persönlich angegriffen und zum Opfer von Hasskommentaren im Internet geworden. Darunter sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch bekannte Gesichter und Unternehmen. Statt sich von all den Seitenhieben entmutigen zu lassen, gehen einige von ihnen in Angriffsstellung – und glänzen mit regelrecht positiven Paradebeispielen in Sachen guter Kommunikation und digitaler Gegenwehr.

1. Setzen, Sechs!

Die irakischstämmige Journalistin Dunja Hayali (42), bekannt unter anderem als Fernsehmoderatorin („heute journal“), erhält nach eigenen Angaben regelmäßig Hassbriefe. Einen davon hat sie sich im Mai dieses Jahres herausgepickt und speziell „gewürdigt“ – mit dem Rotstift. Denn besagter Brief wimmelt nur so von orthografischen wie grammatikalischen Entgleisungen. Ganze 54 Fehler hat die politisch Aktive dem Verfasser, einem selbst ernannten „Lawrence von Arabien“, in seinen wenigen Sätzen angestrichen. Das Resultat veröffentlichte sie anschließend auf ihrem Facebook-Profil. Innerhalb weniger Stunden wurde ihr korrigierter Leserbrief knapp 8.000 Mal geteilt – und erhielt mehr als 7.000 Kommentare. Größtenteils positive übrigens.

Hasskommentare Top 5 der Netzreaktionen auf negative Kommentare Dunja Hayali
Ganze 54 Fehler hat die politisch Aktive dem Verfasser, einem selbst ernannten „Lawrence von Arabien“, in seinen wenigen Sätzen angestrichen © Facebook/Dunja Hayali

2.    Stark dank Mama

Musiker, Filmproduzent, YouTube-Star, Comedian – der in Toronto lebende Andrew Gunadie (30) ist weit über die Grenzen Kanadas hinaus ebenso bekannt wie beliebt. Aber Gunadie, auf YouTube aktiv unter dem Namen „gunnarolla“ und „Online Personality of the Year 2013“, mit asiatischen Wurzeln bekommt die Auswirkungen von Fremdenhass besonders in jüngster Zeit zu spüren: Auf seine geposteten Videos erhält gunnarolla nicht selten aggressive und hasserfüllte Kommentare. Statt sich davon unterkriegen zu lassen, konterte der Star in der YouTuber-Szene jedoch auf seine Weise: Er ließ seine Mutter die Hasskommentare vorlesen und kommentieren. „Man kann ein Problem nicht einfach totschweigen“, so gunnarolla. Recht hat er.


3. Singen gegen Hass

Colleen Ballinger (29) ist jung, schön und erfolgreich: Auf ihrem Vlog sorgt die in Los Angeles lebende Schauspielerin und Comedian seit Januar 2008 dafür, dass kein Auge trocken bleibt. Vor Lachen, wohlgemerkt. Ihr Spezialgebiet? All die vielen selbst ernannten Sänger persiflieren, die ihre Gesangskünste auf YouTube präsentieren und sich davon den großen Durchbruch erhoffen. Als „Miranda Sings“, so ihr Alter Ego, wirft sich Ballinger derart erfolgreich in gewöhnungsbedürftige Outfits und trällert dazu so herrlich schräg, dass aus dem anfänglich kleinen Projekt weltberühmte Shows mit zahlreichen Fans und ausverkauften Hallen geworden sind. Doch wo Erfolg ist, sind die Neider nicht fern. Ballinger sieht’s gelassen: Aus den zahlreichen Hasskommentaren, die sie erreichten, machte sie einen Song. Und nimmt ihre Hater damit auf die Schippe. Ihr lässiger Kommentar? „Der Spaß geht auf eure Kosten, denn eure Kommentare bringen mir Geld. Ihr bezahlt meine Rechnungen!“


4. Aus Hass wird Hilfe

Primäres Ziel der „ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur“ mit Sitz in Berlin ist es, gegen extremistische Phänomene vorzugehen, um die demokratische Kultur zu sichern. Friedlich, wohlgemerkt. Frei nach dem Motto „Aus negativ wird positiv“ haben die Köpfe hinter der nichtstaatlichen Initiative daher einen besonderen Weg gewählt, mit Hasskommentaren umzugehen: Sie initiierten eine außergewöhnliche Spendenaktion. Das geniale Konzept: Für jeden menschenverachtenden und/oder rassistischen Kommentar im Internet wird ein Euro für Flüchtlingsprojekte der „Aktion Deutschland Hilft“ und „EXIT-Deutschland“ gespendet. Eine Zwickmühle für alle Hasser und Hetzer, die auf diesem Weg praktisch gegen sich selbst vorgehen. Für sie gibt’s demnach nur zwei Optionen: Entweder sie hören auf zu kommentieren – oder sie helfen weiterhin fleißig Geld sammeln mit ihren fremdenfeindlichen Aktionen.

http://hasshilft.de/

Für jeden menschenverachtenden und/oder rassistischen Kommentar im Internet wird ein Euro für Flüchtlingsprojekte der „Aktion Deutschland Hilft“ und „EXIT-Deutschland“ gespendet.
Für jeden menschenverachtenden und/oder rassistischen Kommentar im Internet wird ein Euro für Flüchtlingsprojekte der „Aktion Deutschland Hilft“ und „EXIT-Deutschland“ gespendet © hasshilft.de

5.    Tool für Trolle

Politiker trauen sich nix? Renate Künast (60) beweist das Gegenteil. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete gerät regelmäßig ins Visier zahlreicher Internet-Trolle, die sie aufs Übelste beschimpfen, beleidigen oder einfach nur verbal angreifen. Doch was machen, wie gegen den offenen Hass vorgehen? Mit Ironie! Auf ihrer Facebook-Seite bietet sie ihren Hatern einen maßgeschneiderten Service – eine Art Baukastensystem fürs Schreiben von Hasskommentaren. „Sie wollen mir einen Hass-Kommentar schicken? Sich mal so richtig auskotzen?“, fragt Künast hier. Mithilfe einer Schritt-für-Schritt-Anleitung können Interessierte in wenigen Minuten ihren Hasskommentar basteln: von „Noch schlimmer als die Roth!“ bis zu „Volksverräterin!“. Hinsichtlich möglicher Konsequenzen kommentiert Künast: „Ich stelle zwar regelmäßig Strafanzeigen [… ], die Ermittlungsbehörden […] stellen die Verfahren aber rasch ein.“

Renate Künast
© Getty Images

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