NEUE DEUTSCHE MEDIENMACHER

Internationale Internettigkeit #NoHateSpeech Movement

Die internationale Kampagne „No Hate Speech“ des Europarats gibt es nun auch in Deutschland. Mit viel Humor und klugen Kampagnen torpedieren die Macherinnen und Macher seit einigen Monaten Hass verbreitende Trolle und senden vor allem eine Botschaft: „Schließen Sie sich dem ‚No Hate Speech Movement’ an. Fördern Sie Internettigkeit.“ Die Bewegung im Porträt.

„Sagen Sie es laut und freundlich: Hass ist keine Meinung. Nicht mal im Internet.“ Die Schauspielerin Kirstin Warnke schaut ernst in die Kamera: Das Internet ist in Gefahr. „Noch vor fünf Jahren bestand das Netz zu 90 Prozent aus Katzenvideos, Fotos vom Mittagessen und Duckfaces. Heute sind es nur noch 39,37 Prozent. Der Rest: Hasskommentare.“ In den Videobotschaften vom „Bundestrollamt für gegen digitalen Hass“ verkörpert sie die Figur Silke Brägen-Scheufler, die mit randloser Brille und beigefarbenen Strickblusen wahlweise als Hate-Controllerin, Beleidigungsdezernentin oder Hasskommentarverwaltungsfachwirtin auftritt.

Die Comedy-Videos, die verschiedene Formen der Diskriminierung thematisieren, sind nur eines von vielen Formaten gegen den Hass im Netz, die Nutzerinnen und Nutzern auf der Plattform des deutschen „No Hate Speech Movement“ zur Verfügung stehen. „Wir möchten die Öffentlichkeit für das Thema ,Hate Speech‘ sensibilisieren und zeigen, dass Betroffene nicht allein und Hater nicht in der Überzahl sind“, erklärt Sami Rauscher von den Neuen Deutschen Medienmachern, einem bundesweiten Netzwerk, das sich als Ansprechpartner für interkulturellen Journalismus versteht. Gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern koordinieren sie das 2013 von Jugendorganisationen des Europarats initiierte „No Hate Speech Movement“ in Deutschland. Bis Ende 2017 wird die Kampagne vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert.

 

Netzwerk gegen den Hass

„Wer sind die Haterinnen und Hater?“, „Warum verstößt Hate Speech gegen Menschenrechte?“ und „Was ist eigentlich ,Counter Speech‘?“ Antworten auf diese Fragen finden Nutzerinnen und Nutzer in der Rubrik „Wissen“. Memes, Videos und Sprüche stehen unter „Mitmachen“ zum Download bereit. Thematisch sortierte Konter- und Verhaltenstipps, zum Beispiel gegen die Diskriminierung von Frauen oder Flüchtlingen, finden sich im Bereich „Kontern“. Die Tipps stammen von erfahrenen Initiativen und Institutionen, die sich bereits gegen Hate Speech engagieren, wie etwa die Amadeu Antonio Stiftung. Die Website „No Hate Speech Movement“ will auch Plattform für ein breites zivilgesellschaftliches und politisches Netzwerk gegen Internethetze sein. Der Newsroom etwa bietet einen Überblick über Postings zu den Themen „Hate Speech“ und „Antidiskriminierung“ auf unterschiedlichen Social-Media-Kanälen. „Einen so praktischen Ansatz gegen Hate Speech wie unseren hat es bisher noch nicht gegeben“, sagt Rauscher.

Die internationale Kampagne „No Hate Speech“ des Europarats gibt es nun auch in Deutschland
© nohatespeechmovement.org

Flashmob mit viraler Wirkung

Im Juli startete die Kampagne mit einem sehr erfolgreichen Online-Flashmob. Zeitgleich posteten und twitterten #NoHateSpeech-Unterstützerinnen und Unterstützer, wie etwa die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt oder die #aufschrei-Bloggerin Anne Wizorek, Beiträge unter dem Hashtag #NoHateSpeech.

Einen ganzen Tag lang war #NoHateSpeech „Trending Topic“ bei Twitter. Dort konnten, zeitversetzt, fast 650.000 Menschen im Netz erreicht werden. Auch auf Facebook verbreitete sich die Kampagne schnell, mit einer unmittelbaren Reichweite von 250.000 Nutzerinnen und Nutzern. „Uns war klar, dass wir mit gerade mal anderthalb Leuten zwar ein ziemlich kleines Projekt sind, aber mit einem großen Knall in die Debatte einsteigen wollten. Diese Form des Online-Flashmobs kennt in Deutschland kaum jemand. Sie ist aber unheimlich effektiv, wenn man gut vernetzte Leute für sich gewinnt. Das haben wir geschafft!“, erzählt Projektkoordinator Rauscher.

Das öffentliche Feedback auf die Kampagne ist enorm. „Selbst die Bundesregierung hat gleich am ersten Tag unsere Memes geteilt, die Slogans und Videos kommen gut an, und die Besucherzahlen auf unserer Website sind hoch“, erzählt Rauscher. Im Durchschnitt besuchen täglich rund 6.000 neue Besucherinnen und Besucher die Seite, die Comedy-Videos des Bundestrollamts wurden auf Facebook seit Kampagnenstart insgesamt mehr als 150.000 Mal angesehen.

Für 2017 liegt der Fokus im Medienbereich. Rauscher: „Wir werden Journalistinnen und Journalisten in Redaktionsgesprächen beim Umgang mit Hate Speech auf ihren Kanälen unterstützen.“ Für alle anderen gibt es wie gewohnt Wissen, Videos, Memes und Nachrichten aus dem Bundestrollamt auf https://no-hate-speech.de.


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