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Wer hasst, fliegt raus! Augen auf im Netz

Im Kampf gegen Online-Hetze und Hass in den Kommentarspalten deutscher Medien oder auf YouTube, Facebook und Twitter sind alle Internetnutzerinnen und -nutzer gefragt. Mit welchen Mitteln man am besten gegen Verbalattacken vorgeht, was Betroffene tun können. Ein User-Guide.

Fast jeder zweite Internetnutzer hat laut einer repräsentativen Umfrage des deutschen Internetverbands Bitkom schon mal Hasskommentare im Internet gelesen. Jeder Neunte wurde sogar selbst schon mal Opfer von Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen. Im vergangenen Jahr schaltete sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Diskussion um den wachsenden Hass im Netz ein und forderte vom Unternehmen Facebook, dessen eigene Regeln gegen Hasskommentare konsequenter anzuwenden.

Ein Appell an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der daraufhin versprach, rassistische Kommentare künftig besser kontrollieren und schneller löschen zu wollen. Wie viele Facebook-Mitarbeiter aktuell mit der Prüfung von Hasskommentaren betraut sind, behält das Unternehmen allerdings für sich. Das Netzwerk sei darauf angewiesen, dass Nutzerinnen und Nutzer Hasskommentare melden. Nur dann könnten sie geprüft und gegebenenfalls gelöscht werden. Justizminister Heiko Maas (SPD) kritisierte kürzlich, dass „immer noch zu wenig, zu langsam – und zu oft auch das Falsche – gelöscht“ werde. Auch wenn die Chance auf eine Löschung rassistischer Kommentare derzeit noch gering erscheint, ist es wichtig, Hass-Postings zu melden. Wer will, dass das Netz ein hassfreier Raum wird, muss aktiv werden.

YouTube

Ähnlich wie Facebook bietet YouTube einfache Wege zum Melden von Hass-Postings an: Unterhalb eines jeden Videos befindet sich unter anderem der Menüpunkt „Mehr“. Wird dieser angeklickt, öffnet sich ein Dropdown-Menü, das die Schaltfläche „Melden“ enthält. Anschließend muss nur noch ein Grund gewählt werden. Auch einzelne Nutzerkommentare können auf YouTube gemeldet werden. Kanalbetreiber haben zudem die Möglichkeit, bestimmte Begriffe per so genannter Blacklist (dt.: Sperrliste) auf den Index zu setzen. Kommentare oder Postings, die diese Begriffe enthalten, können so vor Veröffentlichung vom Kanalbetreiber überprüft und gegebenenfalls entfernt werden. Ganze Kanäle können bei Missbrauch ebenfalls gemeldet werden. Hierfür müssen Nutzerinnen und Nutzer erst im gewählten Kanal auf „Kanalinfo“ klicken und dann auf das Fähnchen neben dem „Nachrichten senden“-Button. Anschließend bietet das Dropdown-Menü die Schaltfläche „Melden“. Sowohl das Melden einzelner Beiträge als auch ganzer Kanäle funktioniert völlig anonym. Jedoch müssen User dazu angemeldet sein.

Facebook

In der Netiquette des Gemeinschaftsstandards von Facebook heißt es: „Wenn dir auf Facebook etwas auffällt, das deiner Meinung nach gegen unsere Bedingungen verstößt, melde uns das bitte.“ Der Weg des Meldens ist schnell gegangen: einfach auf den Pfeil neben dem entsprechenden Kommentar klicken. Anschließend öffnet sich ein Dropdown-Menü, in dem u.a. der Punkt „Melden“ aufgeführt ist.

Außerdem kann auch der User selbst direkt gemeldet werden: Auf der Profilseite befindet sich neben dem Reiter „Nachricht senden“ ein Menü, das den Punkt „Melden“ enthält. Wird daraufgeklickt, öffnet sich ein Pop-up-Fenster, in dem noch einmal genau definiert werden kann, aus welchem Grund die Person gemeldet wird.

Auch Unternehmen können Missbrauch direkt vorbeugen und auf ihrer Facebook-Seite Keywords eingeben, die erst nach Freigabe durch den Administrator veröffentlicht werden (über Menüpunkt „Statistiken“ die „Seitenmoderation“ auswählen, anschließend jeweilige Keywords eingeben).

Jugendschutz

Auch außerhalb der Sozialen Medien können Nutzerinnen und Nutzer natürlich gegen Hasskommentare vorgehen. Auf der Webseite von jugendschutz.net, dem Kompetenzzentrum für Jugendschutz im Internet, steht beispielsweise ein Online-Formular zur Verfügung, mit dem jegliche „Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen“ – von illegalen über jugendgefährdenden bis hin zu entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten – in nur wenigen Mausklicks gemeldet werden können. Anschließend sichtet das Team alle gemeldeten Beiträge, Personen und Seiten und beauftragt gegebenenfalls die Kommission für Jugendmedienschutz oder wendet sich direkt an die Verantwortlichen entsprechender Netzwerke und Plattformen.

Watchblogs

Seit der Flüchtlingsdebatte ist auch die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer rapide gestiegen, die menschenverachtende oder rassistische Kommentare im Netz posten.

Eines der wichtigsten Portale, dass den Hass gegen Flüchtlinge im Netz dokumentiert, ist der Watchblog Perlen aus Freital. Die anonymen Betreiber wollen rassistische Inhalte auf Facebook für alle sichtbar machen und präsentieren „besorgte Bürger“ von ihrer „allerbesten Seite“. Sowohl Zeugen als auch Betroffene können die skurrilsten, schlimmsten und absurdesten Kommentare über Flüchtlinge hier einreichen. Die Postings werden mit Klarnamen veröffentlicht. Einige Hetzer haben dadurch ihren Job verloren.

Online-Strafanzeige

Konkrete Androhungen von Gewalt jeglicher Art sowie volksverhetzende Äußerungen sollten umgehend der Polizei gemeldet werden, um eine strafrechtliche Ermittlung gegen die drohende oder hetzende Person einzuleiten. Wer diesen Schritt online gehen möchte, kann mithilfe des Internetportals online-strafanzeige.de direkt bei der jeweiligen Landesdirektion Anzeige erstatten. Hilfreich ist es, gleich den beweisenden Link sowie Screenshots mitzuschicken. Wichtig: In akuten Notfällen sollten Betroffene immer die Notrufnummer 110 wählen und umgehend polizeilichen Schutz beantragen.


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