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Rechtsextrem? So kann der Ausstieg gelingen

Rechtsextrem wird eine Person bezeichnet, welche eine Einstellung teilt, die die Gleichwertigkeit aller Menschen ablehnt, auf Ungleichwertigkeiten zielt, und die Werte der liberalen Demokratie ablehnt. Was auch immer Gründe für Menschen sind, in die rechtsextreme Szene einzusteigen, es gibt Wege, wieder auszusteigen.

Neben dem staatlichen Bundesamt für Verfassungsschutz und den Landeskriminalämtern gibt es eine Reihe nichtstaatlicher Organisationen, die den Ausstieg begleiten können. Eine der bekanntesten ist EXIT Deutschland, doch auch in den einzelnen Bundesländern gibt es Anlaufstellen für Ausstiegswillige (siehe Infokasten unten).

Wichtig, dass es gelingt, so die Experten: Der Ausstiegswillige muss deutlich machen, dass es ihm ernst ist und sich durch den Ausstieg beispielsweise nicht etwa mildernde Umstände im Zuge einer Gerichtsverhandlung erhoffe. Auch die Stellung innerhalb der rechten Szene spielt beim Ausstieg und dessen Begleitung eine Rolle: Ist man Sympathisant und hat erste Kontakte geknüpft, möchte sich davon aber loslösen oder hat man eine gewisse Position innerhalb der „Kameradschaft“ inne? Und wie genau läuft der Ausstieg? Wir haben die wichtigsten Punkte dafür zusammengestellt:

1.   Kontaktaufnahme

Ist jemand zu der Einsicht gelangt, es laufe etwas falsch oder er trägt die Überzeugungen seiner Kameraden nicht mehr mit, kann die erste Kontaktaufnahme mit einer Aussteigerorganisation anonym erfolgen. Muss die Organisation dann jedoch tätig werden ist es notwendig, dass sich die Person bekennt, erklärt Fabian Wichmann von EXIT Deutschland, „gerade in Hinblick auf die Sicherheitslage und das Gefährderfeld ist es wichtig, dass wir vis à vis mit der Person sprechen“.


2.   Überzeugung

In persönlichen Gesprächen wird herausgefunden, wie wichtig einer Person der Ausstieg ist, jedoch wird davon ausgegangen, dass jede Person, die sich etwa bei EXIT Deutschland meldet, es auch ernst meint: „Kritische Annahme des Positiven“, nennt Wichmann den Ansatz. Die Historie und die Motivation der Person werden unter die Lupe genommen.


Rechtsextrem? So kann der Ausstieg gelingen
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3.   Zeit

Die Dauer des Ausstiegsprozesses ist unterschiedlich und kommt auf den Fall an. Das Verlassen der Szene, der Abbruch von Kontakten und die Aufarbeitung der Vergangenheit sind die akute Phase und dauern in der Regel zwischen zwei und vier Jahren. Die individuelle Betrachtung der Biografie hingegen nimmt oft mehr Zeit in Anspruch, da sich die Vergangenheit nicht so einfach ablegen lasse, so Wichmann. In seltenen Fällen wurden Aussteiger sogar bis zu acht, neun Jahren begleitet, Grund hierfür waren rechtliche Rahmenbedingungen und die Unterstützung bei Namensänderung und Wohnortwechsel.


4. Gefährdung

„Mit dem Verlassen der Szene ist der Aussteiger erstmal der Verräter“, erklärt Wichmann. Wie sanktionsfähig die Gruppe ist, hänge jedoch von deren Struktur ab und wie die Person eingebunden war, ob sie Mitläufer war, tiefer eingebunden oder im Führungsstab. Die Reaktion hänge aber auch davon ab, wie der Ausstieg von der Person selbst mitgestaltet wird und ob die Kameraden noch die Möglichkeit haben, auf die Person zuzugreifen. Wichmann spricht von einem Abwägungsprozess anhand dessen die konkrete Gefährdungslage ausgemacht wird und notfalls Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden.


5.   Fahrplan

Den einen Plan für den Ausstieg gibt es nicht. Es gibt Standards und es sind bestimmte Schritte der Person und der Ausstiegshilfe wichtig, wie ein authentisches Spiegeln der Situation, die Aufarbeitung der Vergangenheit und das Abbrechen der Kontakte in die Szene. Aber wie sich der Prozess konkret gestaltet hängt laut Wichmann von der Person ab, hat man es beispielweise mit einem gewaltbereiten Jugendlichen zu tun oder mit jemandem, der keine Gewalt anwendet, aber dessen Instrumente Worte waren.


6. Zukunft

Auch hier hängt es mit von der Person ab, wie gut der Anschluss an die Gesellschaft gelingt. Es gibt immer wieder Fälle, wo Personen an ihre persönlichen Grenzen stoßen und trotz erfolgreichem Ausstieg Eintragungen ins Vorstrafenregister haben oder aufgrund der Vorgeschichte Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben. Auch auf der Seite mache Schubladendenken die Arbeit und den Personen den Wiedereinstieg schwer, bedauert Wichmann. Trotzdem gibt es viele Beispiele, die Hoffnung machen, dass der Ausstieg, wenn er wirklich gewollt wird, gelingen kann.

Links zu den einigen Organisationen, die beim Ausstieg helfen könne:

Bundesweit tätig:

EXIT Deutschland
Mobil: 0177 – 240 45 92 / 0151 21 23 53 32
Email: info@exit-deutschland.de
www.exit-deutschland.de

Bundesamt für Verfassungsschutz
Telefon: 0221 / 79262
Email: aussteiger@bfv.bund.de
www.verfassungsschutz.de

Weitere Angebot für regionale Organisationen und Hilfe bietet:

www.netz-gegen-nazis.de


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