Jan Kamensky

Cybermobbing kann jeden treffen – obwohl die meisten Kinder und Jugendlichen um die Risiken im Netz wissen, teilen viele von ihnen immer wieder private Informationen in den sozialen Medien oder schicken intime Bilder an vermeintlich bekannte Kontakte. Im schlimmsten Fall kursieren die Bilder später im Internet oder werden über Messengerdienste verbreitet. Wie man sich gegen Outing und Trickery schützen kann und welche Beratungsangebote es für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern gibt, erklären wir im sechsten und letzten Teil des #NichtEgal-Cybermobbing-Lexikons.

Outing & Trickery: Betrogen und bloßgestellt

Outing, „Bloßstellen“, und Trickery, „Betrügen“,, sind weitere, oft kombinierte Formen des Cybermobbing. Dabei handelt es sich bei Trickery um das Vortäuschen einer privaten Kommunikation im Netz, um intime Informationen über eine Person herauszufinden und diese anschließend, beim Outing, in bloßstellender Weise in Sozialen Medien oder über Messenger-Dienste zu verbreiten. Trickery und Outing werden häufig gemeinsam mit Impersonation, dem Auftreten eines Täters unter falscher Identität, angewendet.

Nina Pirk, Fachberaterin für Kinderschutz im Internet bei „Nummer gegen Kummer“, einem kostenlosen telefonischen Informations- und Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern, sagt: „In der Praxis zeigen sich Outing und Trickery meist in Zusammenhang mit weiteren Formen des Cybermobbings. Mädchen lernen zum Beispiel online Jungen kennen, schicken ihnen Nacktfotos, und später stellen sich die Kontakte als jemand anderes, oft Unbekanntes heraus, und die Nacktbilder kursieren im Netz. Das ist für die Betroffenen sehr belastend.“

Obwohl die bei „Nummer gegen Kummer“ Rat Suchenden oft gute Kenntnisse der Risiken haben, gehen viele sie dennoch ein. Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, klicksafe, weist auf die Gefahren von übermäßigem Teilen privater Informationen im Netz hin: „Kinder und Jugendliche lassen sich leicht dazu verleiten, viel über sich preiszugeben, denn man will austesten, wie man bei Gleichaltrigen ankommt. Das Feedback von anderen auf gepostete Fotos und Videos ist jedoch nicht immer positiv.“

Wie wichtig es ist, sich bei Cybermobbing-Attacken Hilfe zu holen, weiß Nina Pirk aus ihrer Beratungsarbeit: „Schon das Erzählen davon kann entlastend wirken – und auch das Wissen, dass man nicht allein ist. Cybermobbing kann jeden treffen!“ Meist nehmen Kinder und Jugendliche Beratungsangebote erst sehr spät in Anspruch, weil sie hoffen, dass die Angriffe irgendwann von allein aufhören. Die klare Position der „Nummer gegen Kummer“: Cybermobbing ist nicht in Ordnung. Solche Angriffe sollte sich niemand gefallen lassen. „Im ersten Schritt kann es helfen, die Täter zu blockieren, sowie Kommentare und Profile zu melden. Nicht nur bei den Plattformen selbst, sondern auch bei den Meldestellen jugendschutz.net und der internetbeschwerdestelle.de“, sagt Pirk. Eltern sollten die Lage ernst nehmen, Aussagen wie „Das wird schon wieder …“ sind in so einer Situation wenig hilfreich. Kinder brauchen die ruhige, aber entschlossene Unterstützung ihrer Eltern: Das weitere Vorgehen sollte gemeinsam besprochen und nicht über den Kopf des Kindes hinweg entschieden werden.

Das anonyme Beratungsangebot der „Nummer gegen Kummer“ ist bundesweit kostenlos über das Festnetz und Handy unter 116 111 zu erreichen. Für Kinder und Jugendliche montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr. Die E-Mail-Beratung ist nach Registrierung auf www.nummergegenkummer.de rund um die Uhr erreichbar. Eltern können sich unter 0800 111 0 550 montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr an die Telefonberatung wenden.

Als Helpline in Kooperation mit klicksafe.de ist die „Nummer gegen Kummer“ Teil des Verbunds der deutschen Partner im CEF Telecom Programm der Europäischen Union (www.saferinternet.de). Diesem gehören neben der „Nummer gegen Kummer“ (Helpline) und der Medienkompetenz-Initiative klicksafe (Awareness Centre) auch die beiden Meldestellen (Hotlines) internet-beschwerdestelle.de (durchgeführt von eco und FSM) und jugendschutz.net an.


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