Jan Kamensky
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Cybermobbing: Ich mach dich fertig!

Happy Slapping, Flaming, Cyberstalking, Harassment – Cybermobbing hat viele Gesichter. Welche Formen der Hass im Netz annimmt, wie sich Betroffene zur Wehr setzen können, was Expertinnen und Experten raten. Eine Begriffskunde in sechs Teilen. Im ersten Teil erklären wir die Begriffe Cyberstalking und Cyberthreat.

Cyberstalking

Anzügliche SMS und E-Mails, Beleidigungen auf Twitter, Facebook und Instagram – Cyberstalking ist eine extreme Form der Belästigung und Verfolgung, die über verschiedene Kanäle geschehen kann und häufig bis in die reale Welt reicht. Der Täter sammelt Informationen über sein Opfer und versucht, nachhaltig in dessen Lebenswelt einzudringen.

Neben der psychologischen Belastung kann Cyberstalking auch rufschädigende Folgen haben. Wie im Fall von Mary Scherpe, die den Blog „Stil in Berlin“ betreibt. Sie wurde mehrere Jahre massiv von einem Stalker belästigt, erlebte Verleumdungen bei Freunden und Geschäftspartnern. Als auch das Einschalten von Polizei und Anwälten den Täter nicht stoppte, fand sie eigene Wege des Widerstands. Scherpe dokumentierte die Attacken des Stalkers auf ihrem Blog „EigentlichjedenTag“, veröffentlichte das Buch „An jedem einzelnen Tag. Mein Leben mit einem Stalker“ und startete eine erfolgreiche Onlinepetition zur Verbesserung des Strafgesetzbuch-Paragrafen 238, die sie Bundesjustizminister Heiko Maas persönlich überreichte.

 

Immer mehr Betroffene setzen sich zur Wehr, um die Rolle des schweigenden Opfers zu verlassen.
Dr. Niklas Haberkamm

„Wir bemerken bei den Betroffenen ein neues Bewusstsein, dass man sich gegen solche Angriffe wehren sollte“, sagt Dr. Niklas Haberkamm, der sich in seiner Kölner Kanzlei Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum unter anderem mit dem Themenfeld Cybermobbing befasst. „Immer mehr Betroffene setzen sich zur Wehr, um die Rolle des schweigenden Opfers zu verlassen. Das rechtliche Vorgehen hilft den Betroffenen immer auch aus psychologischer Sicht.“ In der Vergangenheit konnten Stalker nur in Ausnahmefällen rechtlich belangt werden. Nämlich nur dann, wenn das Opfer nachweisen konnte, dass die Nachstellungen des Täters in ihrem Leben zu „schwerwiegenden Beeinträchtigungen“ – wie etwa zum Wechseln des Wohnorts oder der Arbeit – führte.

Seit Juli 2016 genügt es nun, „dass die Handlung eines Täters objektiv dazu geeignet ist, beim Betroffenen eine gravierende Beeinträchtigung der Lebensgestaltung herbeizuführen“. Welche konkreten Handlungsmöglichkeiten Betroffene haben, zeigt die Stalkingexpertin Christine Doering, früher selbst Stalkingopfer, auf der Seite ihrer Initiative „Stalking & Justiz“. Neben der genauen Dokumentation aller Aktivitäten des Stalkers sollten zum Beispiel Zugänge zu Sozialen Netzwerken gesichert und notfalls gelöscht werden. Erste Anlaufstellen können neben der Polizei auch spezielle Beratungsangebote wie etwa „Stop-Stalking“ sein. Die Initiative berät sowohl Täter als auch Opfer.

Cyberthreat

Eine weitere Ausprägung des Cybermobbings und eine potenzielle Folge des Cyberstalkings ist der sogenannte Cyberthreat, also das direkte Androhen von körperlicher Gewalt oder sogar Töten, über E-Mail, SMS, Instant Messenger, Chats oder in Sozialen Netzwerken. „Diese besonders aggressive Art von Cybermobbing erfolgt zwar immer direkt, oft aber anonym oder unter falschem Namen“, so John Weitzmann in seiner Veröffentlichung „Cyber-Mobbing, Cyberbullying und was man dagegen tun kann“ in der Themenreihe „Rechtsfragen im Netz“ von iRights.info und klicksafe.

Um bei derartigen Drohungen gegen den Täter vorzugehen, bedarf es einer Strafanzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft. Doch auch in solchen Extremfällen gilt: Zuerst sollte sich der Betroffene umgehend im direkten Umfeld Hilfe suchen – bei Eltern, Freunden, Vertrauenslehrern oder bei spezialisierten Beratungseinrichtungen. Strafrechtlich fällt der Cyberthreat unter die Tatbestände der Nötigung und Bedrohung nach den Paragrafen 240 und 241 StGB. Dort heißt es: „Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

 

Leider gestaltet sich insbesondere die strafrechtliche Rechtsverfolgung in der Praxis oftmals noch schwierig.
Dr. Niklas Haberkamm

Schon das Androhen von körperlicher Gewalt oder Tötung ist strafbar. Entscheidend dabei ist, ob es sich um eine „ernstliche Drohung“ handelt. Ob der Täter die Drohung tatsächlich umsetzen kann oder will, ist dabei nicht relevant. „Bedrohung“ wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet.
 „Leider gestaltet sich insbesondere die strafrechtliche Rechtsverfolgung bis zu einer Verurteilung des Täters in der Praxis oftmals noch schwierig. Aufgrund laufender Weiterbildung der Polizei, der Staatsanwälte und auch der Richter ist diesbezüglich aber eine klare Steigerung in Bezug auf die Effektivität der Rechtsdurchsetzung festzustellen“, sagt der Kölner Medienanwalt Dr. Niklas Haberkamm.

Weiterbildung, Aufklärung und Prävention müssen im Kampf gegen Cybermobbing ineinandergreifen. Stefanie Fächner von der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Internet, klicksafe, sagt: „Man kann Cybermobbing nicht komplett verhindern – aber die Wahrscheinlichkeit verringern, dass jemand unreflektiert agiert und selbst zum Täter wird. Eine gezielte Stärkung verschiedener Akteure hilft dabei, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen, rechtzeitig einzugreifen und im Konfliktfall Unterstützung und Lösungsansätze anzubieten.“


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