Ossy Glossy: „Kein Mensch wird intolerant geboren“

Bereits als kleiner Junge schminkte er sich gern, sammelte Perücken und wünschte sich zum Zeugnis goldene High Heels. „Ich will zeigen, dass man ruhig anders sein kann“, sagt Oskar, das junge Make-up-Talent und erfolgreicher YouTuber aus Berlin. Seit über einem Jahr ist er mit seinem Kanal „Ossi.Glossy“ auf YouTube und stellt männliche Rollenklischees auf den Kopf. Schon jetzt hat er über 185.000 Follower, seine Schmink-Tutorials wurden bereits mehr als zehn Millionen Mal angeschaut. Was sich der Jung-YouTuber von der Gesellschaft wünscht und wie er mit Hasskommentaren umgeht.

Bei der YouTube-Kampagne #NichtEgal geht es um mehr Toleranz und Respekt im Netz. Wie erlebst du die Zuschauerinnen und Zuschauer auf deinem Kanal?

Oskar: 50 Prozent der Leute feiern mich richtig – die anderen 50 Prozent sagen Sachen wie „Sei mal ein richtiger Junge!“. Ich bekomme sehr, sehr viele Hasskommentare. Ich lösche sie meistens nicht. Oft antworte ich darauf und frage: „Was ist jetzt gerade dein Problem? Womit bist du unzufrieden?“ Meistens antwortet derjenige nicht, fühlt sich vermutlich schlecht und löscht den Kommentar irgendwann.

Wie gehst du mit solchen Hasskommentaren um?

Ich nehme sie meistens nicht ernst, weil ich sehe, dass die Leute anscheinend nichts Besseres zu tun haben, als andere grundlos zu beleidigen. Kein Mensch wird intolerant geboren – das beeinflusst ja immer noch die Erziehung. Am liebsten würde ich solchen Leuten Toleranz einreden und ihnen erklären, dass man so etwas einfach nicht macht.

Gab es mal einen Kommentar, der so schlimm war, dass er Dir nicht mehr aus dem Kopf ging?

Ja, es gibt Kommentare, die ich hier gar nicht erwähnen kann, weil so viele schlimme Wörter drin vorkommen. So etwas bleibt mir dann schon im Kopf. Ich habe zwar immer noch die Einstellung, dass diese Menschen das nur aus Langeweile oder Dummheit tun, aber es ist schon blöd, so beschimpft zu werden. Es gibt wirklich Menschen, die gönnen einem gar nichts.

Wo hört deine Toleranz auf?

Meine Toleranz hört gegenüber intoleranten Menschen auf. Ich verstehe einfach nicht, warum manche sich angegriffen fühlen, nur weil jemand anders ist. Ich toleriere eigentlich alles, weil ich denke: Okay, den Leuten gefällt das, und deshalb sollen sie es auch genau so machen.

Du stellst männliche Rollenklischees auf den Kopf. Was wünschst du dir von einer toleranten Gesellschaft?

Cool ist es natürlich, wenn die Leute sagen: „Ich finde super, was du machst!“ Aber wenn mich jemand eher nicht so toll findet, wäre es am besten, wenn derjenige einfach gar nichts sagt und mich nicht gleich attackiert. Wenn er sich einfach denken würde: „Okay, der macht sein Ding – ich mach mein Ding.“ Meiner Meinung nach haben wir alle noch eine Menge zu lernen und müssen sehr viel toleranter werden.

Siehst du dich als YouTuber in einer Vorbildrolle?

Ja und nein. Es gibt viele Leute, die sagen: „Ich wünschte, ich hätte deine Einstellung und dein Selbstbewusstsein. Aber so ein richtiges Vorbild bin ich meinem Gefühl nach nicht. Ich bin ja noch relativ jung und kann schlecht für jemanden, der zwanzig Jahre alt ist, ein Vorbild sein. Und irgendwie finde ich auch, dass man sich dabei vor allem auf sich selbst konzentrieren muss und nicht nach dem Vorbild eines anderen Menschen leben sollte.

Was würdest du Kindern und Jugendlichen raten, die unter Hasskommentaren im Internet oder Cybermobbing leiden?

Einerseits gibt es natürlich die Möglichkeit, die viele wählen: sich einfach von der jeweiligen Plattform abzumelden. Aber ich finde: Man sollte auf Probleme zugehen – zumindest wenn es um Cyber-Mobbing geht – und sich dann auch Hilfe holen.

Ossy Glossy: Kein Mensch wird intolerant geboren © Ossy Glossy

VITA OSKAR, OSSI.GLOSSY

Am Beginn seiner Schminkleidenschaft stand ein Buch über das alte Ägypten. Das beeindruckte den Jung-YouTuber Oskar so sehr, dass er anfing, sich wie ein Pharao zu verkleiden und zu schminken. Seine Eltern haben ihn immer so sein lassen, wie er sein wollte. Er sagt: „Die mussten sich gar nicht daran gewöhnen, dass ich mich schminke. Ich war ja schon immer so.“ Auf seinem Kanal „Ossi.Glossy“ stellt Oskar neueste Make-up- Trends vor und gibt professionelle Schminktipps. Wenn er nicht gerade zur Schule geht oder YouTube-Videos dreht, steht er bei der „Jugend-Revue“ im Berliner Friedrichstadtpalast auf der Bühne. Zurzeit macht er ein Maskenbildner-Praktikum. Maskenbildner ist auch sein späterer Berufswunsch


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