Nina Kutschera

„Den Hass nicht ignorieren“

Mehr Liebe, Mut und digitale Zivilcourage – Rassismus und Hate Speech haben im YouTube-Kanal von Sängerin und Mutter Nina Kutschera keinen Platz. Was ihr im Netz #NichtEgal ist, wie Eltern ihre Kinder gegen Cybermobbing stärken können und wie sie selbst mit Hasskommentaren umgeht, erklärt die YouTuberin im Interview.

Wie zeigst du Gesicht gegen Intoleranz, Rassismus und Hate Speech?
Ich bin eine Person mit einem großen Gerechtigkeitsempfinden und relativ viel Zivilcourage. Wenn ich etwas mitbekomme, das in Richtung Mobbing oder Rassismus geht, mache ich den Mund auf. Ich würde niemals schweigen! Wenn es nicht anders geht, gehe ich zur Polizei. Die Menschenwürde steht für mich über allem.

Siehst du als YouTuberin dich in einer Vorbildrolle?
Ja, auf jeden Fall! Ich versuche, meiner Vorbildfunktion gerecht zu werden, indem ich auf meinem Kanal Nächstenliebe propagiere und meine Zuschauer auf positive Weise stärke. Ich will zeigen, dass Hass ein Zeichen von Schwäche ist. Und dass Liebe viel stärker ist als Hass.

Gibt es Hass-Kommentare auf deiner Seite? Wie reagierst du darauf?
Auf meiner Seite gibt es eigentlich gar nicht so viel Hass – was vielleicht an der Themenwelt meines Kanals liegt. Aber natürlich kommt auch das mal vor. Dann trete ich in den Dialog. Wenn mir jemand etwas schreibt wie „Ey, fette Sau, geh sterben!“, frage ich: „Sag mal, meinst du das gerade ernst?“ Und wenn dann eine Antwort kommt, erkläre ich höflich, dass sein Tonfall absolut nicht in Ordnung ist. Ich sage demjenigen aber auch, dass er Teil unserer tollen Community werden kann – die natürlich auch kritisch ist, aber immer respektvoll. Meine Zuschauer sind da ähnlich veranlagt. Hass tolerieren wir auf meinem Kanal nicht.

Man muss den Menschen nur eine Plattform geben, um wunderbar zu sein.

Hat sich schon mal jemand bei dir entschuldigt?
Ja, das passiert sogar ganz oft! Diese Menschen rechnen nicht damit, dass man sie direkt anspricht. Es sind ja meistens Kids, die solche Kommentare schreiben. Die tun mir sehr leid, weil ich denke, dass es bei ihnen zu Hause nicht viel Liebe gibt, sondern eher gestresste Eltern und pampige Kommentare. Wenn du so jemandem positiv gegenübertrittst und fragst: „Hey, was ist denn los mit dir?“, dann fallen ganz oft Mauern. Wenn man Liebe gibt, dann kommt auch Liebe zurück. Man muss nur lange genug mit der Liebe wedeln. (Lacht.)

Also gibt es auch konstruktive und freundliche Kommentare im Netz?
Absolut! Man muss den Menschen nur eine Plattform geben, um wunderbar zu sein. Dann klappt das auch. Ich habe anfangs Hater gehabt, die mittlerweile treue Zuschauer sind. Die würden sich stundenlang mit anderen Hatern unterhalten, um ihnen zu erklären, dass diese Art zu kommunizieren nicht in Ordnung ist.

Unter den Hasskommentatoren sind viele Kinder und Jugendliche. Du hast selbst zwei Töchter. Was sollten Eltern ihren Kindern in puncto Toleranz mitgeben?
Wir sind alle gleich. Egal, wie groß, klein, dick, dünn, welche Hautfarbe, welche Sexualität, welche Religion – das ist wurscht! Lasst die Kinder schon im Kindergarten mit allen spielen, die da rumlaufen. Kinder sind untereinander so toll, wenn man sie einfach lässt.

Und wie kann man Kinder für Cybermobbing sensibilisieren?
Ich als Mama muss sagen, dass ich auch bei meiner 15-jährigen Tochter immer noch ein Auge drauf habe, was sie im Internet macht. Eltern sollten unbedingt Anteil an der digitalen Lebenswelt ihrer Kinder nehmen. Meine Tochter ist über alle Risiken aufgeklärt und weiß, dass sie jederzeit zu Mama und Papa kommen kann, wenn ihr im Netz jemand krumm kommt.

 

Wir müssen online mehr Zivilcourage zeigen.

War eines deiner Kinder denn schon mal von Cybermobbing betroffen?
Nein, bisher nicht. Es kommt darauf an, in welchem Umfeld man sich online bewegt. Viele YouTuber sind nicht die besten Vorbilder. Da kannst du als Elternteil schon mal vorarbeiten, indem du dein Kind stark machst und sagst: So was brauchst du nicht. Komm, wir schauen zusammen nach coolerem Content.

Was wünschst du dir von deinen YouTube-Kollegen im Kampf gegen den Hass im Netz?
Es wäre wunderbar, wenn meine Kollegen einfach etwas mutiger werden und sich nicht einschüchtern lassen. Ich verstehe, dass man vor allem in größeren Communitys nicht mehr jeden Kommentar lesen kann. Aber dann sollte man Menschen haben, die das für einen tun und den Dialog suchen. Hass zu ignorieren verschlimmert die Lage. Wenn ein Hasskommentar auf der Seite steht, dann kommt auch noch ein zweiter und ein dritter. Sind die Kommentarspalten frei von Hass, ist zumindest die Hemmschwelle schon mal größer. Wir müssen uns klar gegen Hass und Rassismus im Netz positionieren und online mehr Zivilcourage zeigen.

NINA KUTSCHERA

Die 35-jährige YouTuberin aus Offenbach ist hauptberuflich Sängerin und Mutter von Lea und Mathilda. Auf ihrem Kanal finden ihre Zuschauerinnen und Zuschauer alles, was das Leben ein bisschen schöner macht – von verrückten Milkshake-Rezepten über Stressabbau-Tipps bis hin zu Poetryvlogs. Ursprünglich wollte Kutschera Musikvideos für sich und andere junge Künstler drehen, entdeckte dabei YouTube und gründete 2012 ihren eigenen Kanal, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann betreibt. Die Menschen hören ihr gern beim Reden zu – vor allem, wenn sie nicht nur über Puder und schöne Schuhe spricht, sondern darüber, was ihr das Leben beigebracht hat. Mit ihrem Kanal will Kutschera einen Ort schaffen, den man besuchen kann. Wenn man ihn wieder verlässt, soll es einem ein bisschen besser gehen. Ihre Themeninspirationen bekommt sie vor allem aus ihrer Community und von ihren beiden Töchtern.


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