Mirella

mirellativegal: „Hass ist keine Meinung“

Offensiv und witzig tritt die YouTuberin Mirella Hasskommentaren auf ihrem Kanal mirellativegal entgegen. In ihren Parodien weist die 23-Jährige auf Intoleranz und sexistischen Content im Netz hin. Ihrer Community will sie ein Vorbild sein.

„Der allererste Hasskommentar wird mir nie aus dem Kopf gehen, weil ich da erstmal geweint habe“, erzählt Mirella die auf YouTube ihren Kanal Mirellativegal betreibt. „Damals hatte ich gerade zwei Videos hochgeladen und insgesamt zehn Kommentare. In einem stand, dass ich scheiße sei. Es war sehr schwer für mich zu akzeptieren, dass es immer Menschen geben wird, die das was man macht, nicht gut finden.“ Inzwischen treffen sie solche Kommentare nicht mehr. Wer ausschließlich beleidigende Inhalte postet, den blockiert Mirella direkt: „Das wäre im Offline-Leben ja auch so. Wenn jemand zu dir kommt und dich aufs Übelste beleidigt, dann gibst Du dich ja auch nicht weiter mit ihm ab.“

mirrelativegal: Hass ist keine Meinung © Mirella

Als „Kommentierella“, „Klothilde“ oder „Kimberly-Blue“ begeistert die deutsche Comedy-YouTuberin Mirella mit ihren Parodien und Video-Beiträgen mehr als 300.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Die 23-Jährige lebt in Nürnberg und hat in diesem Jahr ihren Bachelor of Arts im Bereich Wirtschaftswissenschaften gemacht. In Zukunft will sich Mirella erst einmal auf ihren YouTube-Kanal konzentrieren.

Anfangs traute sich Mirella nicht, die Kommentare zu löschen. „Ich war besorgt, man könne mir das als eine Art „Zensur“ auslegen.“ Heute weiß sie, dass Hasskommentare nichts mit Meinungsfreiheit zu tun haben: „Wenn jemand schreibt ‚Du bist hässlich’ will er damit keine sachliche Diskussion anstoßen, sondern einfach nur verletzen.“ Das einige Menschen ihre verbalen Attacken als ‚freie Meinungsäußerung’ tarnen, findet sie absurd. Vor vier Jahren startete Mirella ihren YouTube-Kanal, „ganz klassisch mit Beauty-, Fashion- und Lifestylethemen“. „Weil ich tatsächlich nicht wusste, das es noch andere Sachen gibt, die man machen kann.“ Später entdeckte sie die Comedy- und Unterhaltungssparte für sich. „Ein Bereich in dem noch viel Platz für viel mehr Frauen wäre“, findet Mirella. Mehr als 300.000 Abonnentinnen und Abonnenten folgen ihrem Kanal mirellativegal, ihre Videos wurden inzwischen insgesamt mehr als 35 Millionen Mal angesehen. Je größer ein Kanal wird und je stärker die Reichweite wächst, desto häufiger tauchen Trolle und Hasskommentatoren auf. Gleichzeitig wächst auch die Community, die hinter Mirella steht. „Wenn mir jemand blöd kommt, kommentieren meine Follower das entsprechend und stärken mir den Rücken“, sagt Mirella.

In ihrem Format „Kommentierella“ geht sie witzig und offensiv mit Hasskommentaren um. „Irgendwann hatte ich das Bedürfnis auf ironische Weise zurück zu kommentieren. Es tut manchmal ganz gut, auch etwas Dampf abzulassen.“ Wenn die Beiträge nicht ausschließlich beleidigend sind, setzt die YouTuberin auf den Dialog: „Ich glaube fest daran, dass der Austausch untereinander, Vorurteile beseitigen kann.“ Eine Erfahrung, die sie in letzter Zeit immer häufiger auch im Alltag macht. Zum Beispiel in Gesprächen mit befreundeten Pärchen, wenn es um Geschlechterrollen gehe. Es sind die vermeintlichen Kleinigkeiten des Alltags, die sich in vielen Gehirnen festgesetzt haben, die aber dringend hinterfragt werden müssen, meint Mirella.

Auch in den sozialen Medien fallen ihr immer wieder sexistische Beiträge auf. Die parodiert sie dann wie in ihrem Video „Was Mädchen daheim allein und bei Langeweile machen“. „Mit meinem Humor habe ich einen Weg gefunden, auf Intoleranz hinzuweisen und Missstände auf eine Weise zu kritisieren, die jeder versteht.“ Inspiration und Vorbild ist ihr dabei zum Beispiel die feministische Stand-up Comedian Amy Schumer, die in ihren Programmen Geschlechterklischees parodiert.

Ihren – teils sehr jungen – Zuschauerinnen und Zuschauern möchte Mirella entsprechende Botschaften vermitteln. „Ab einer gewissen Reichweite, steigt auch die Verantwortung, die man seiner Community gegenüber hat. Man ist einfach ein Vorbild, ob man will oder nicht.“


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