Firas Alshater

Firas Alshater: „Ich habe genug Hass erlebt!“

Der syrische Filmemacher ist einer von 22 YouTubern der #NichtEgal-Initiative, die ihre Stimme für Toleranz und Respekt erheben. „Ich habe genügend Hass für 100 Jahre erlebt. Mir reicht’s“, sagt er und verbreitet auf seinem Kanal „ZUKAR“ humorvolle Botschaften gegen Intoleranz. Wie der YouTuber mit Hass im Netz umgeht.

Am 14. Oktober erscheint dein Buch „Ich komm auf Deutschland zu. Ein Syrer über seine neue Heimat“, darin berichtest du offen und witzig von Deinen Erfahrungen in Deutschland. Seit 2013 lebst du in Berlin. Was ist dir nach wie vor unbegreiflich?

Die Umständlichkeit der deutschen Bürokratie. Es ist unglaublich wie viele Papiere für einzelne Vorgänge nötig sind, und wie wenig die digitalen Möglichkeiten genutzt werden. Das würde vieles vereinfachen.

Wie sind deine Erfahrungen mit Intoleranz im Alltag?

Berlin ist eine sehr tolerante Stadt, in der viele Ausländer leben. Das Gute ist, das hier jeder so sein kann wie er möchte, solange er niemand anderen stört. Von Hass und Intoleranz gegenüber Ausländern lese ich vor allem im Internet. Ich selbst muss nicht jeden Tag darüber nachdenken. Was ich schwierig finde: Die Berichterstattung in den Medien lässt dieses Problem größer erscheinen als es vielleicht ist. Wenn von 100 Hunden einer bellt, bekommt er direkt ein Interview. Diese Populisten stehen zu sehr im Fokus. Es gibt auch viele gute und nette Menschen, von denen hört man in den Medien leider nicht so häufig.

Wie reagierst du auf Hasskommentare auf Deinem YouTube-Kanal?

Es kommt immer darauf an, was es für Kommentare sind. Wenn es nur um Schimpfworte und das reine Verbreiten von Hass geht, reagiere ich nicht und lösche den Eintrag. Wenn ich merke, dass jemand mit seinem echten Profil schreibt und ein Mensch mit seinem richtigen Namen dahinter steht, versuche ich mit dieser Person zu reden und sie bestenfalls davon zu überzeugen, andere Standpunkte zu akzeptieren.

Ist dir das schon mal gelungen?

Ja, viele Menschen schreiben mir, dass meine Videos ihre Meinung über Flüchtlinge stark verändert haben. Manche entschuldigen sich sogar, dass sie sich von der Hetze haben anstecken lassen. Solche Kommentare lese ich in meinem Kanal öfters, das ist toll!

Was für mich inakzeptabel ist, sind Menschen, die ihre Angst durch Hass ausdrücken.
Firas Alshater

Was denkst du über Menschen, die Hass im Netz verbreiten?

Ich habe Respekt davor, wenn jemand sagt, dass er Angst hat. Jeder Mensch hat Ängste, und jeder Einzelne kann frei entscheiden, was er denkt und wovor er sich fürchtet. Was für mich inakzeptabel ist, sind Menschen, die ihre Angst durch Hass ausdrücken. Dann kann kein konstruktiver Dialog mehr stattfinden. Ich bin jemand, der gern nachdenkt und diskutiert. Ich möchte mit diesen Menschen reden und sie vielleicht vom Gegenteil überzeugen.

Siehst du dich als YouTuber in einer Vorbildrolle?

Nein, ich bin einfach nur Firas. Jeder Mensch sollte ein Vorbild sein und sich so verhalten, wie er selbst gern behandelt werden möchte. Menschen sind unterschiedlich, jeder bringt seine eigenen Erfahrungen mit, und nicht jeder erhält zum Beispiel die Chance, die ich bekommen habe. Aber mir ist es schon sehr wichtig, Verantwortung zu übernehmen und gegen Hass zu kämpfen. Meinen Zuschauerinnen und Zuschauern will ich zeigen, dass man Meinungen mit Liebe und Humor ändern kann, aber niemals durch Hass.

Firas Alshater: Ich habe genug Hass erlebt © Firas Alshater

Mit dem ersten Video seines YouTube-Kanals Zukar „Wer sind diese Deutschen?“ landete der 25-jährige Filmemacher Firas Alshater aus Damaskus innerhalb kürzester Zeit einen viralen Hit. Seine oft satirischen Videobeiträge begeistern inzwischen fast 19.000 Abonnentinnen und Abonnenten und drehen sich um Themen wie „Integration“ und „Toleranz“. In diesem Jahr kürte ihn das amerikanische „Time Magazine“ zu einem der „Next Generation Leaders“, einer der künftig einflussreichen Persönlichkeiten.

Seit 2013 lebt Alshater in Berlin. In seinem Buch „Ich komm auf Deutschland zu“, das im Ullstein-Verlag erscheint, beschreibt er seine Versuche die Deutschen zu verstehen, berichtet von seinen Erlebnissen in Syrien und erklärt, warum Integration funktionieren kann.


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