Paddy Pallin

Kanada von Ost nach West: Eine persönliche Rundreise

Vor über 20 Jahren entdeckte unsere Autorin Birgit-Cathrin Duval Kanada. Seither lässt sie das Land nicht los. Welche Orte, Provinzen und Territorien sie besonders faszinieren, verrät sie in persönlichen Reisetipps.

Nachdem ich mich mit Anfang 20 im pazifischen Vancouver auf den Rücksitz eines Subaru gequetscht hatte und drei Tage später im Osten in Toronto ausgestiegen war, wusste ich, dass Kanada nicht nur wahnsinnig groß, sondern auch atemberaubend schön und unglaublich sympathisch ist.

Mehr als mein halbes Leben ist das jetzt her. Obwohl ich inzwischen durch jede Provinz und jedes Territorium gereist bin, zieht es mich immer wieder in dieses Land, an dem ich mich nicht sattsehen kann.

Da ist zum einen die Weite. Kanada hat Platz, enorm viel Platz. Zehn Millionen Quadratkilometer, auf über sechs Zeitzonen verteilt. Das entspricht etwa der Größe Europas. Und mit 33 Millionen Einwohnern besitzt Kanada eine verschwindend geringe Bevölkerungsdichte von nur drei Einwohnern per Quadratkilometer. Solche Freiräume müssen erst mal verdaut werden. Denn die gibt es in geradezu verschwenderischen Ausmaßen: unberührte Natur mit unglaublichen Landschaften, die sich vor der Scheibe des Wohnmobils wie ein Monumentalfilm in 3 D entfalten. Im Grunde genommen wirkt jede der zehn Provinzen und drei Territorien wie ein eigenes Land, so unterschiedlich und kontrastreich sind sie.

Jetzt mache ich meine Tour von damals noch mal in umgekehrter Richtung – von Ost nach West.

Blick auf einen glasklaren See mit Booten und einem kleinen Fischerhaus.
Still ruht die See: der Weiler Jo Batt’s Arm auf Fogo Island. © Newfoundland and Labrador Tourism/Barrett and MacKay

Felsen im Sturm – die atlantischen Provinzen

Wie eine Trutzburg ragt Neufundland im Osten Kanadas aus dem sturmgepeitschten Atlantik. Die Inselbewohner nennen ihre Heimat liebevoll „The Rock“. Zusammen mit Labrador auf dem Festland bildet „der Felsen“ die atlantische Provinz Newfoundland and Labrador. Schroffe, felsige Steilküsten, Fjorde und dahintreibende Eisberge bestimmen das Landschaftsbild der Provinz, die so gar nicht ins typische Bild von Kanada passt. In den vielen kleinen Fischerdörfern ist das Leben von harter Arbeit bei Wind und Wetter geprägt. Neufundländer mögen auf den ersten Blick rau erscheinen, dabei sind sie herzensgute und lustige Gastgeber. Für den Begrüßungscocktail ist kein Eis mehr im Kühlschrank? Dann geht’s eben per Boot auf zum nächsten Eisberg, um einige Brocken abzuhämmern.

Im Auf und Ab der Gezeiten – die Maritimes

Von Meeresluft und Leuchttürmen umgeben sind die drei kleinsten Provinzen, New Brunswick, Nova Scotia und Prinz Edward Island, die als „Maritimes“ bezeichnet werden. Cape Breton etwa, eine Insel an der Spitze von Nova Scotia, die den schottischen Highlands ähnelt. Die 300 Kilometer lange Küstenstraße „Cabot Trail“ führt zu den spektakulärsten Aussichtspunkten und in malerische Fischerdörfer, wie etwa Cheticamp, in dem die französisch-akadische Kultur bis heute lebendig geblieben ist.

Extravagante Metropolen und unberührte Natur – Québec und Ontario

Kanadas größte Provinz Québec bezaubert mit historischen Städten. En vogue präsentieren sich Montréal und Québec City – modern, elegant, lässig. Dazu kommt ein bunter Kulturmix, unter den sich französisches Laisser-faire mischt. Beim Spaziergang durch das Stadtviertel Petit Champlain in Québec City kommt man den europäischen Wurzeln ganz nah. Und die Natur? Ebenso weit wie wild, mit unberührten Seen und borealen Nadelwäldern.

Ontario wiederum beeindruckt mit seiner faszinierenden Metropole Toronto. Kanadas größte Stadt mit ihrer futuristischen Architektur bezieht ihren pulsierenden Lebensatem aus den lebhaften Multikulti-Quartieren, in denen Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden. Wer Ruhe und Natur sucht, wird nördlich von Thunder Bay fündig. Nach drei Stunden Autofahrt enden die letzten Straßen in der Wildnis. Zwischen Nadelwäldern glitzern Tausende Seen, die nur per Wasserflugzeug oder mit dem Boot zu erreichen sind.

junge Indianer in traditioneller Kleidung
Tanzen, singen, ehren: Das „Standing Buffalo First Nation Powwow“ in Fort Qu’Appelle ist eines der ältesten und größten in Saskatchewan. © Tourism Saskatchewan/Greg Huszar Photography

Die goldene Mitte – Manitoba und Saskatchewan

In den von der Sonne verwöhnten Provinzen Manitoba und Saskatchewan liegt der süße Duft von Präriegras in der Luft. Auf Kanadas fruchtbarster Erde reift das beste Gemüse und Getreide des Landes. Ihre Väter waren als Pioniere gekommen, heute setzen die Rancher und Farmer das ihnen überlassene Erbe voller Stolz und mit Innovation fort. Manitobas Hauptstadt Winnipeg hat sich während der vergangenen Jahre zu einer der spannendsten Städte Kanadas entwickelt. Die Skyline mit der futuristischen Architektur des Museum for Human Rights steht für das neue und moderne Image der Provinz in der geografischen Mitte Kanadas. Wer im Sommer Eisbären beobachten und mit Belugawalen schnorcheln möchte, setzt sich in den Flieger Richtung Arktis nach Churchill an der Hudson Bay.

Saskatchewan, etwa so groß wie Frankreich, die Beneluxstaaten und Schweiz zusammen, ist fast so dünn besiedelt wie Tibet. Etwa 13 Prozent der Einwohner sind indigene „First Nations“ oder Métis, also Nachkommen von Franzosen und Indianern. Der Name „Saskatchewan“ ist vom Saskatchewan River abgeleitet, der in der Sprache der Cree „Kisiskatchewani Sipi“ – schnell fließender Fluss – heißt. Dieser Name bezeugt, wer die Bewohner dieses Landes waren, bevor im 17. Jahrhundert europäische Pelzhändler und Missionare in die Prärieregionen aufbrachen. Und bis die Händler der Hudson’s Bay Company das Kommando übernahmen. Während dieser Zeit verschwanden die riesigen Bisonherden, und die Indigenen mussten ihre Gebiete gegen Lebensmittel und Decken abtreten. Die Hauptstadt Regina am Wascana Lake hat neben diversen Grundschulen und High Schools mit der „First Nations University of Canada“ die einzige indianische Universität Nordamerikas. Eine weitere Universitätsstadt ist Saskatoon mit ihren acht Brücken über den South Saskatchewan River, die „Stadt der Brücken“ oder auch „Paris der Prärie“.

Eine junge Frau fährt auf einem himmelblauen See Boot, im Hintergrund hohe Berge
Von Gletschern gespeist: der Moraine Lake im Banff National Park, Alberta. © Johan Lolos

Kanadas Wilder Westen – Alberta

Smaragdfarbene Seen und majestätische Berge: Beim Anblick von Albertas Bilderbuchkulisse geraten Naturliebhaber ins Schwärmen. Zwischen Banff und Jasper können sie auf dem Icefields Parkway, einer der schönsten Fernstraßen der Welt, wilde Tiere beobachten oder im Backcountry wandern gehen. Wer dabei nur an die Rocky Mountains denkt, sollte eines wissen: In Alberta schlägt auch das Herz des Wilden Westens. Zur Calgary Stampede, der weltweit größten Rodeo-Veranstaltung, werden selbstverständlich Cowboystiefel und ein weißer Hut getragen.

ein glasklarer See in einem Tal
Schweben zwischen Himmel und Wasser: im Strathcona Provincial Park, dem größten auf Vancouver Island in British Columbia. © Taylor Burk

Naturwunder am Pazifik – British Columbia

Kanadas westlichste Provinz British Columbia hat eine traumhaft schöne Küstenregion. Ein Paradies für Sportler und Outdoor-Fans. Sie können aus dem Vollen schöpfen: Surfen in Tofino auf Vancouver Island, Mountainbiken durch Regenwälder, Skifahren in allerfeinstem Pulverschnee in Whistler, Grizzlys beim Lachsfangen beobachten oder die Lebensweise der First Nations kennenlernen. British Columbia vereint zudem eine imponierende Auswahl wilder Tiere auf seinem Gebiet: Bären, Elche, Wölfe und Wale. Und Vancouver ist sowieso eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit.

Ein See an einer Straße, zwei Buss und ein Auto halten davor
Smaragd im Goldsucher-Land: der Emerald Lake am South Klondike Highway.

Nördlich des 60. Breitengrads – Yukon

Nördlich des 60. Breitengrads! Seit ich als Kind Jack Londons Roman „Wolfsblut“ und die Geschichten über den Goldrausch am Klondike gelesen hatte, träumte ich vom Yukon. Der Name „Yukon“ verkörperte meinen kanadischen Traum. Und ich konnte es kaum fassen, als ich meinen Fuß nach Dawson City, nahe der Grenze zu Alaska, setzte. Es steht alles noch so da wie damals: das Hotel und Pub „Bombay Peggy’s“, das Spielcasino „Diamond Tooth Gertie’s“, die alten Saloons und Trading Posts und Jack Londons Blockhütte – sogar nach Gold wird noch gegraben. Die Essenz des spärlich bevölkerten Territoriums Yukon sind die Fernstraßen. Es gibt ihrer fünf – darunter der Dempster Highway, Klondike Highway und Alaska Highway, und sie führen durch Hunderte Kilometer Wildnis. Entspannter als in Yukon fährt es sich sonst wohl nirgends auf der Welt. Wichtig ist nur eins: immer genügend Sprit im Tank zu haben.

Nordlichter
In The Middle of Nowhere: Farbzauber am Nachthimmel in Eagle Plains. © Destination Canada

Wilder Norden – Northwest Territories

Wer auf dem Dempster Highway Richtung Norden durch die Tundra fährt, gelangt auf halber Strecke nach Eagle Plains, mit der gleichnamigen Lodge das vielleicht abgelegenste Rasthaus der Welt, überquert kurz darauf den Polarkreis und erreicht Stunden später die Grenze zu den Northwest Territories.

Wer bisher angenommen hatte, Yukon sei groß, muss erst mal anfangen, die Dimensionen der Northwest Territories zu begreifen, die sich im Norden bis zur arktischen Beaufort Sea erstrecken und im Westen bis ans Territorium der Inuit. Im Winter tanzen Nordlichter am Himmel, im Sommer geht die Sonne 24 Stunden lang nicht unter. Um Mitternacht Kanu fahren und sich anschließend ins Nachtleben stürzen? Das geht – im „Black Knight Pub“ in Yellowknife bis morgens um drei. Im Schein der Mitternachtssonne finden zahlreiche Musikfestivals statt. Yellowknife ist die ideale Basis für Touren in die umliegende Wildnis, ob per Kanu oder mit dem Wasserflugzeug.

Winter, ein Wanderer steht allein auf einer Felsenklippe und sieht auf einen zugefrorenen See
Erhaben: Berge und See nahe Arctic Bay, Nunavut. © Michelle Valberg

Unterwegs mit Abenteuergeist – Nunavut

Weiter nordöstlich befindet sich Kanadas drittes und größtes Territorium, Nunavut, das sich über unglaubliche zwei Millionen Quadratkilometer erstreckt – von der Hudson Bay im Süden bis zum Nordpol und von Ellesmere Island vor der Nordküste Grönlands bis zum Amundsen Golf. Erst 1999 wurde das Land zum autonomen Territorium der Inuit erklärt. Packeis und Fjorde, unberührte Tundra und arktische Inseln charakterisieren den am wenigsten touristisch erschlossenen Teil Kanadas. Wer nach Nunavut reist, muss Geduld und Abenteuergeist mitbringen und sich auf eine völlig neue Welt einstellen. Dafür erlebt der Reisende eine der letzten echten Naturparadiese dieser Welt. Eisbären, Narwale, Belugawale Moschusochsen und Karibus – Nunavut bietet grandiose Fotomotive.

Ganz gleich, in welche Provinz und in welches Territorium ich reise – Kanada erstaunt mich jedes Mal aufs Neue. Ist es die Weite, die Wildnis, sind es die sympathischen Menschen, die spannenden Städte oder die eindrucksvollen Landschaften, die mich begeistern? Vermutlich ist es von alldem etwas, was mich an diesem Land fasziniert. Und ja, es braucht tatsächlich zwei Leben, um ganz Kanada zu entdecken.

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