Stephen Harris

Prince Edward Island: Leuchttürme und Leckereien

Prince Edward Island (abgekürzt: „PEI“) ist eine Insel vor der Ostküste Kanadas. Die kleinste Provinz des zweitgrößten Lands der Erde verbindet eine 13 Kilometer lange Brücke mit dem Festland. PEI hat einiges zu bieten: feinsandige Strände, eine der größten Leuchtturm-Ansammlungen am Atlantik, ein reiches Angebot für Gourmets – und die quirlige Hauptstadt Charlottetown.

„Der Atlantik ist ungewöhnlich warm dieses Jahr“, sagt Skipper Perry Gotell und meint damit knapp 20 Grad Wassertemperatur. Unser Motorboot dümpelt im Windschatten einer Prince Edward Island vorgelagerten Insel. Unerschrocken springt die gesamte Gruppe mit Badehose oder Bikini ins brusttiefe kristallklare Wasser. Da stehen wir nun und bibbern erst mal – trotz 30 Grad Lufttemperatur. Perry reicht jedem eine Taucherbrille mit Schnorchel und einen Rechen mit drei Zinken. „Damit durchkämmt ihr den Sand, bis ihr eine Muschel findet.“ „Giant Bar Clam Dig“ nennt sich das Vergnügen. Tatsächlich taucht nach kurzem Harken im Sand eine etwa 15 Zentimeter lange Muschel auf und kommt ins Körbchen. Neugierig beäugen uns vom Ufer aus einige Weißkopfadler. Nach einer halben Stunde haben wir genug und schwimmen zum Strand. Auf einem Gaskocher wird der Fang in Meerwasser gedämpft und frisch aus der Schale genossen. „Schmeckt wie Tintenfisch“, stellt jemand fest. Dann geht’s zurück aufs Boot von Tranquility Cove Adventures, die dieses feuchte Vergnügen auf PEI anbieten. Im Kielwasser sehen wir, wie sich die Adler auf unsere Muschelreste stürzen.

Zwei Personen in Neoprenanzügen, Taucherbrillen und Schnorcheln, hüfttief im Meer auf der Jagd nach Muscheln.
Ab ins Körbchen: Muscheln vom Meeresgrund harken beim „Giant Bar Clam Dig“. © Stephen Harris

Trainingslager für Hobbyköche

PEI (gesprochen: Pih, Iih, Ai), wie die 145.000 Einwohner ihr Zuhause nennen, ist eine Insel für Genießer. Meeresfrüchte dominieren die Speisekarten. Hummer natürlich, der traditionell mit Kartoffelsalat serviert wird. Clam Chowder, eine helle Fisch/Muschel-Suppe und Austern aus der Malpeque-Bucht oder aus Colville Bay. Mit frisch geriebenem Meerrettich – köstlich!

Wer jetzt Appetit verspürt, sollte ein halb- oder ganztägiges „Culinary Bootcamp“ in Charlottetown besuchen. Das Trainings­lager für Hobbyköche gehört zu „Canadas Smartest Kitchen“, einem dem Holland College angegliederten Institut für Ernährungs­wissenschaft. Küchenchefin Ilona Daniel stattet uns mit Kochjacke und -mütze aus: „Die dürft ihr behalten.“ Nach dem Pauken von Hygieneregeln werden Rezepte verteilt. Wir kochen in kleinen Teams. Das Ergebnis: eine Hummer-und-Weißfisch-Suppe, gedämpfte Miesmuscheln, in Speck gewickelter Hackbraten mit Barbecue­soße und Blaubeer­kompott. In der Mensa wird alles gemeinsam verzehrt – ein kulinarisches Erlebnis!

Eine Köchin bringt Workshopteilnehmern die Zubereitung von Hummer in einer Küche bei.
Hummer für Anfänger: Teamarbeit beim „Culinary Bootcamp“ in Charlottetown. © Stephen DesRoches

Leuchttürme mit Geschichte

Drei gut ausgeschilderte Küstenrouten laden auf PEI zum Autowandern ein. Ein lohnender Badestopp ist der Basin Head Beach. Eine Brücke in Strandnähe dient Jugendlichen als Sprungturm. Ein Rettungsschwimmer mit braun gebranntem Sixpack überwacht das bunte Treiben. „Ass Bomb“, schreit ein Halbwüchsiger unter dem großen Gejohle der Umstehenden und taucht mit dem Hintern zuerst ins kristallklare Wasser. Und dann, nur wenige hundert Meter weiter, sind wir praktisch allein am Strand.

Zwei Radfahrer auf einer unbefestigten Straße vor einem Leuchtturm.
Leuchttürme sammeln: am besten aktiv per Zweirad. © John Sylvester

Wer dem Hotel ein Zelt oder Wohnmobil vorzieht, findet auf PEI reichlich Campingplätze. Vor allem Aktivurlauber sind dort richtig. Wir mieten uns einen Kajak, erkunden die roten Klippen und gesellen uns zu Surfern, mit und ohne Segel. Mit dem Mountainbike geht’s über den Confederation Trail, eine ehemalige Bahnlinie, die auf 435 Kilometer Länge zu den schönsten Plätzen der Insel führt.

Neben vielfältigen Outdoor-Aktivitäten bietet PEI auch historische Sehenswürdigkeiten. Die „Marconi Station“ im Cape Bear Lighthouse, einem von mehr als 50 Leuchttürmen auf PEI, empfing am 14. April 1912 das Notsignal der sinkenden „Titanic“, dem seinerzeit größten Schiff der Welt, das als unsinkbar galt. Im Hier und Jetzt führt ein Schwätzchen mit den Leuchtturmwärtern häufig zu guten Tipps für ein Restaurant oder eine Unterkunft.

Auf historische Entdeckungstour können Besucher auch in der Inselhauptstadt Charlottetown gehen. Dort trafen Vertreter der britischen Kolonien Nordamerikas 1864 eine Vereinbarung, die in die Gründung Kanadas mündete. Spaziergänge mit kostümierten Darstellern der „Confederation Players“ zu wichtigen Plätzen der Stadt lassen die Geschichte von Charlottetown lebendig werden.

Zwei Personen spazieren eine Straße mit Straßencafés entlang.
Autofrei bummeln: Victoria Row in Charlottetown mit Cafés, Shops und Galerien. © Stephen Harris

Aber die Inselhauptstadt hat nicht nur eine bewegte Vergangenheit – sie bietet Besuchern auch eine rege Kneipen-, Musik- und Theaterszene. Im Sommer gibt es fast jede Woche ein anderes Festival. Zum Beispiel im Juni „Jazz and Blues“ oder im September das „Shellfish Festival“. Kulinarisch Interessierte können mit „Taste the Town“ auf eine Probiertour mit Muscheln, Pommes, Olivenöl und Speiseeis gehen. Bei Anflügen von Heimweh empfiehlt sich „Leonhard’s Café & Restaurant“. Dort steht sogar ein „Strammer Max“ auf der Karte – Inhaber Axel Leonhard stammt aus Darmstadt.

Ein Koch holt einen Hummer aus einem Topf im Speiseraum.
Seafood muss sein: zum Beispiel in New London. © Tourism PEI / Yvonne Duivenvoorden

Wer’s beschaulicher und exklusiver mag, kann sich auf die Spuren des britischen Prinzen William und seiner Frau Catherine begeben. Das Paar verbrachte einen Teil der Flitterwochen 2011 in Dalvay by the Sea. Ihr gleichnamiges Honeymoon-Hotel „Dalvay by the Sea“ dort wurde kürzlich zu einem der romantischsten Plätze Kanadas gewählt.

CANUSA Touristik seit 1983

Planen Sie eine Reise nach Atlantik-Kanada?
Informieren Sie sich bei den CANUSA-Reiseexperten über aktuelle Angebote oder lassen sich persönlich unter 0800-333 23 41 beraten.


Das könnte Sie auch interessieren

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier