Newfoundland and Labrador Tourism

Ein Paradies im Osten Neufundlands: die Halbinsel Bonavista

Es war die Halbinsel Bonavista, über die der italienische Seefahrer Giovanni Caboto, später auch „John Cabot“ genannt, 1497 als erster europäischer Entdecker das nordamerikanische Festland erreichte. Noch heute liegen dort Kultur- und Naturschätze ganz nah beieinander. In den historischen Städtchen Trinity und Bonavista – und zwischen Vögeln, Walen und Eisbergen entlang der schönsten Küstenwanderwege nicht nur von Neufundland, sondern von ganz Kanada.

Jede Neufundland-Reise beginnt in St. John’s, der Provinzhauptstadt von Neufundland und Labrador – und ältesten Stadt Nordamerikas. Der gemütliche, 100.000 Einwohner zählende Ort zeigt farbenfrohe Holzhäuser, eine dynamische Food-Szene und die George Street voller Pubs. Sollte dort das „Iceberg Beer“ – aus Eisbergwasser hergestelltes Bier – mal aus sein, lohnt sich ein Abstecher ins Bilderbuchviertel Quidi Vidi mit seiner 1996 eröffneten Brauerei. Den besten Weitblick über die Hauptstadt bietet das Wahrzeichen von St. John’s, der Signal Hill am Hafen, wo der italienische Telegrafie-Pionier Guglielmo Marconi 1901 im Cabot Tower das erste kabellos übertragene transatlantische Radiosignal empfing.

Herzlich willkommen auf der Halbinsel Bonavista!

Von St. John’s geht’s auf zur weniger als drei Autostunden entfernten Halbinsel Bonavista mit Dörfern, die so idyllisch sind, dass wir am liebsten hierbleiben möchten. Eins davon ist die Gemeinde Trinity mit ihrem kleinen Hafen, die wegen ihrer bedeutenden Rolle für die Fischerei der Region die Jahrhunderte makellos überstanden hat. Mit ihren gut restaurierten historischen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert zählt sie heute zu den schönsten Weltkulturerbe-Orten der Region. Hier schauen wir einem Schmied und einem Fassbinder bei der Arbeit über die Schulter. Das Trinity-Museum in einem der farbigen Holzhäuser gibt Einblick in die Geschichte der Gemeinde. Mittlerweile gibt es hier nur noch 36 Einwohner – alle übrigen Leute sind Besucher! Insofern hat man als Gast natürlich durchaus Chancen, hier ein Zimmer in einer der vielen urigen Unterkünfte zu bekommen.

Der Hafen Bonavistas
Bild der Ruhe: Bonavista Harbour mit seinem markanten Bootshaus. © Barrett & MacKay Photo

Besonders schön leuchten die rot, grün und gelb gestrichenen Häuser im Licht der Abendsonne, ebenso die weiße Fassade der St.Paul’s Anglican Church. Das holzvertäfelte Innere empfängt uns Besucher mit Waldgeruch – der gleiche Duft nach Bäumen und Harz, der Wanderer auf dem Skerwink Trail umfängt. Der 5,3 Kilometer lange Rundweg zwischen Trinity und Port Rexton zählt zu den attraktivsten Wanderwegen in ganz Kanada. Über einen Pfad, auf dem Pflanzen wie die rosafarbenen Lady’s Slippers und die insektenfressende Pitcher Plant – die „Wappenpflanze“ der Atlantikprovinz Neufundland und Labrador – den Wegesrand zieren, geht’s in Richtung Klippen. Mit etwas Glück lassen sich bereits vom ersten Aussichtspunkt aus Wale beobachten. Sie ziehen gemächlich ihre Bahn durch den Ozean, um an ihr bevorzugtes Futter, die kleinen Kapelan-Fische, zu kommen. Der Weg führt an unzähligen Tuckamore-Bäumen vorbei, einer Fichtenart, die es nur an den windigen Küsten Neufundlands gibt. Tief unter diesem Pfad klatschen die Atlantikwogen an die zerklüftete Küste, auf der jeder Aussichtspunkt eine andere atemberaubende Perspektive bietet.

Bootstour zu den Eisriesen

Ein ganz anderer Blick auf die Halbinsel Bonavista ergibt sich von Bord eines Boots aus – etwa während einer Rugged Beauty Boat Tour mit dem Fischer Bruce Miller. Vor Kerley’s Harbour, dem Ort, aus dem er stammt, stellt Bruce den Motor ab. Es gehört zu den Fischerdörfern, die im Zuge eines Umsiedlungsprozesses von den Küsten in die Städte in den 1960ern verlassen wurden. Kerley’s Harbour ist seit 1963 unbewohnt. „Die Umsiedlung begann, nachdem Neufundland 1949 Kanada angeschlossen wurde“, berichtet Bruce. Die Bucht wurde später Schauplatz diverser Filme, wie „Random Passage“ und „The Shipping News“ („Schiffsmeldungen“), Filmfans können die Drehplätze besuchen.
Die Bootstour ermöglicht nicht nur Blicke auf verlassene Dörfer, sondern gibt überdies Gelegenheit, Walen und Eisbergen ganz nahe zu kommen. Die Halbinsel Bonavista liegt nämlich an der „Iceberg Alley“ Neufundlands, auf der mit dem Labradorstrom Eisskulpturen, deren Formen individuell wie menschliche Gesichtszüge sind, etwa sieben Kilometer weit von Grönland herüberschwimmen. Besonders häufig werden sie zwischen Mai und Juli gesichtet. Bruce stoppt einige Meter vom Eisberg entfernt: „Näher kann ich nicht ranfahren – man weiß nie, was sich unter Wasser befindet.“ Insgesamt sollen ja 90 Prozent der Eismassen unter Wasser liegen. Manche Bootspassagiere, hören wir, haben Glück und können sich im Wasser treibende kleinere Eisstücke herausangeln. Eine ganz besondere Gelegenheit, mal 10.000 bis 25.000 Jahre altes Eis zu kosten …

Eisberge vor Neufundland
Spitzen der Eisberge: Diese Schwimmer kommen von Grönland herüber. © Newfoundland and Labrador Tourism

Bonavista, Küchenpartys und wie man zum Ehren-Neufundländer wird

Auf dem Weg nach Bonavista, ehemalige Kabeljau-Hauptstadt Neufundlands und Namensgeberin der Halbinsel, kommen wir durch Elliston. Hier staunen wir immer wieder über bewachsene Hügel mit Holztüren. Es sind sogenannte „Root Cellars“ (deutsch: Wurzelkeller) in denen die Bewohner im Winter traditionell Gemüse gelagert haben, damit es weder erfror noch verdarb. Und Elliston hat eine „Puffin Island“, auf der Papageientaucher ihre Fischereikünste und perfekten Bruchlandungen zur Schau stellen. Bonavista selbst ist für die intaktesten historischen Gebäude der Insel bekannt und wohl erhaltene Holzfachwerkhäuser. Die ältesten stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert. „Während in anderen Städten im 18. und 19. Jahrhundert Feuer alles zerstörten, hatte Bonavista Glück“, erzählt John Norman von Bonavista Living, der sich für den Erhalt und die Restauration historischer Gebäude einsetzt. Heute haben sich darin Pubs, ein Seifengeschäft, ein Handarbeitsladen und eine Eisdiele niedergelassen. Nach einer kurzen Stärkung machen wir noch einen Abstecher an die Küste, zum Cape Bonavista Lighthouse von 1843 und zum Dungeon Provincial Park. Dessen Attraktion ist ein 15 Meter tiefes Loch, das durch den Einbruch einer Meereshöhle entstanden ist und die Kraft des Atlantiks demonstriert.

Der
Vom Atlantik unterspült: „Sea Cave“ mit Landbrücke. © Newfoundland and Labrador Tourism

Kein Besuch Neufundlands wäre komplett, ohne wenigstens einmal an einer „Kitchen Party“ teilzunehmen. Dieser Name entstammt der Gewohnheit, sich in der Küche zu versammeln, dort zu essen, zu plaudern und zu musizieren. Manch ein Spaßvogel greift auch gern mal zum „Ugly Stick“ – der „hässliche Stock“, ein umgedrehter Wischmopp mit am Stiel befestigten Kronkorken, wird wie ein „Ersatzinstrument“ gehandhabt.

Bei einer „Kitchen Party“ oder auch im Pub bietet sich Besuchern übrigens die Chance, durch die Zeremonie des „Screech In“ gruppenweise zu Ehren-Neufundländern ernannt zu werden. Und das geht so: Ein echter Neufundländer, gern in wetterfestem Ölzeug, gibt den Zeremonienmeister und nimmt den „Screechers“ zunächst mal den Schwur ab, Neufundland auf ewig zu lieben. Nach der Schlussformel „Long may your big jib draw“, „ Möge dich dein großes Segel lange vorantreiben“, geht’s zur Sache: Die Neuen müssen – nein, nicht einen Frosch, sondern einen Kabeljau küssen. Da tröstet sicherlich, dass im Anschluss ein Glas Screech-Rum geleert werden kann, der vor etwa 50 Jahren erstmals aus Jamaika importiert wurde und heute quasi zum Neufundländer Nationalgetränk geworden ist. Zu guter Letzt gilt es noch, sich ein Stück Fleischpastete und ein dickes Bonbon einzuverleiben. Wer diese Wechselbäder erfolgreich überstanden hat, erhält ein Diplom für daheim. Also dann: „Have a whale of a time“, wie die Neufundländer sagen!

CANUSA Touristik seit 1983

Planen Sie eine Reise nach Atlantik-Kanada?
Informieren Sie sich bei den CANUSA-Reiseexperten über aktuelle Angebote oder lassen sich persönlich unter Tel. 0800-333 23 41 beraten.


Das könnte Sie auch interessieren

X

Sie verwenden einen sehr alten Browser.

Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser.
Aktuelle Browser finden Sie hier