Joey Paneta

Canadian Canoe Route – unterwegs auf den Spuren eines nationalen Symbols

Neben Ahornblatt und Eishockey ist das Kanu Kanadas Nationalsymbol. Auf der „Canadian Canoe Route“, einer Tour mit dem Auto zwischen Toronto und Ottawa, reiste unser Autor in Ostkanada auf den Spuren des legendären Paddelboots, das Kanadas Geschichte geprägt hat. Die Höhepunkte zu Wasser und zu Lande.

Einstechen, durchziehen. Einstechen, durchziehen. Nur der Paddelschlag im immer gleichen Rhythmus durchbricht die Stille. Unser Kanu schneidet durchs Wasser, das scheinbar pechschwarz vor dem Bug liegt. Dabei ist es glasklar und glitzert im Gegenlicht. Es riecht erdig, nach Wildnis und Baumrinde. Am Ufer stehen Pinien, Birken oder Zuckerahornbäume – in sich ruhende Riesen. Eine Kanutour in Ontario, das unglaubliche 250.000 Seen und 100.000 Flusskilometern aufbietet, hat beinahe etwas Meditatives, erreicht alle Sinne und führt tief hinein in eine unberührte, oft nur vom Wasser aus zugängliche Natur.

Doch bevor wir auf der „Canadian Canoe Route“ in ein Kanu steigen und den Selbstversuch wagen, stehen Sightseeing und ein Exkurs in die Historie der schmalen Boote an. Die Tour startet in Toronto: Die multikulturelle und weltoffene Metropole am Ontariosee ist Kanadas größte Stadt. Wahrzeichen ist der „CN Tower“ mit Aussichtsplattformen in 346 und 447 Meter Höhe. Toronto ist eine Kunst- und Sportstadt mit vielen Museen, Konzertgebäuden und Sportstätten. Tipp: die Parklandschaften und Strände der autofreien Toronto Islands, einer vorgelagerten Inselgruppe im Ontariosee. Unverbaut ist von dort der Blick auf die Skyline von Toronto.

Bootsbau-Theorie zum Anfassen

Der erste Abstecher nach 140 Kilometern führt uns nach Peterborough ins einstige Zentrum der Kanuproduktion. Das Canadian Canoe Museum zeigt rund 600 Kanus und vermittelt viel über die Geschichte des bis weit ins 19. Jahrhundert wichtigsten Transportmittels des Landes. Wir erfahren viel über die Tradition der Kanu fahrenden First Nations und über die sogenannten Voyageurs. Diese unerschrockenen Pelzhändler französischer Abstammung trotzten Wetter und Gefahren, halfen mit, Kanada per Kanu zu erschließen und avancierten so zu Volkshelden. Neben viel theoretischem Rüstzeug können wir uns auch an die Praxis wagen – etwa bei einem Paddelschnitzkurs. Der ist übrigens immer ganz schnell ausgebucht!

Weiter geht’s für uns nach Norden in den ältesten Naturpark Ontarios, den Algonquin Provincial Park. Es erwarten uns große Waldgebiete, Wanderwege, Campinggelegenheiten, 1.600 Kilometer Wasserwege und fast 2.500 Seen – ein wahres Kanu-Paradies. Der Park ist fast halb so groß wie Thüringen und die Heimat von Schwarzbären, Wölfen, Elchen und Bibern.

Hinein ins nasse Vergnügen!

Spätestens beim Kanukurs am Madawaska River steigen wir das erste Mal ins Boot – und zwar unter professioneller Anleitung. Claudia Kerckhoff, Inhaberin des Madawaska Kanu Centre, ist zehnfache kanadische Meisterin und WM-Medaillengewinnerin. Bei ihr kann man eine zweistündige Einführung buchen, aber auch einen Wochenendkurs bis hin zu einem fünftägigen Kanuerlebnis. Nass wird dabei garantiert jeder! Und sicher nicht nur beim ersten zur Abhärtung gedachten Sprung in den Madawaska River.

Deutlich wilder begegnet uns der Ottawa River, einst eine der Haupthandelsrouten des indigenen Volks der Algonkin und der französischen Pelzhändler. Hier steht bei einer Raftingtour am Ottawa River der Spaß im Vordergrund. Im Schlauchboot gilt es Stromschnellen zu meistern, die von einem ganz anderen Kaliber sind als etwa am Madawaska River.

Durch Schnellen steuern: Gruppenweise geht’s hier durch die wilden Wasser des Ottawa River.
Durch Schnellen steuern: Gruppenweise geht’s hier durch die wilden Wasser des Ottawa River. © Ontario Travel

Zwischendurch auch mal schippern lassen

Kurz vor der Zielgeraden, auf dem Weg nach Ottawa, machen wir einen Abstecher zu den Thousand Islands. Der Umweg lohnt sich: Im Oberlauf des Sankt-Lorenz-Stroms liegen die – genau genommen 1864 – Inseln, die dem Thousand-Island-Dressing, der famosen amerikanischen Salatsauce, ihren Namen gegeben haben. Hier stechen wir mal nicht das Paddel ins Wasser, sondern lassen uns per Ausflugsdampfer gemütlich durch das Labyrinth der Eilande schippern, die mit ihren bunten Holzhäusern fast skandinavisch anmuten. Dabei erfahren wir allerlei Wissenswertes, darunter die traurige Liebesgeschichte des malerisch gelegenen Boldt Castle.

Letzter Hafen Ottawa

In Kanadas Hauptstadt, die übrigens ohne Wolkenkratzer auskommt, endet unsere Reise im Zeichen des Paddels – und zwar an Land. In Ottawa geben wir den Mietwagen ab und machen uns daran, die Stadt zu entdecken. In der gemütlichen Hauptstadt besuchen wir das Parlamentsgebäude und die Nationalgalerie. Aber ganz ohne Wasser geht es auch hier nicht: Der Rideau-Kanal ist ein 185 Jahre altes Meisterwerk kanadischer Ingenieurskunst und UNESCO-Weltkulturerbe. Wir entdecken das Paradies für Radler, Wanderer und Bootsfahrer im Fahrradsattel. Aber gerne wären wir auch im Winter gekommen: Dann erstreckt sich hier mit mehr als sieben Kilometern die längste Eislaufbahn der Welt.

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