Andrew Penner

Auf dem Great Trail durch Kanada

Pünktlich zum 150. Geburtstag Kanadas in 2017 ist er komplett: Seit Ende August verbindet der 24.000 Kilometer lange Great Trail als längster Wanderweg der Welt St. John’s am Atlantik mit Tuktoyaktuk am Eismeer und Victoria am Pazifik. Hier findet jeder seine ganz persönliche Traumstrecke.

Major’s Hill Park, Ottawa. Valerie Pringle, kanadische TV-Moderatorin und langjähriges Vorstandsmitglied der Great Trail Foundation, nickt zur Bühne hinüber. Dort singt Steven Page, Ex-Leadsänger der Barenaked Ladies, gerade „If I had a million dollars“, und alle singen begeistert mit. „Es war nicht einfach“, erinnert sich Pringle an den Beginn ihres Engagements für den Great Trail, „niemand hörte zu. Irgendwann lief es dann – und nun schau dir mal das an!“ Page verabschiedet sich unter tosendem Beifall, ein junger First-Nations-Rapper namens Cody Coyote übernimmt. Gemeinsam mit zwei Kriegern in traditionellem Outfit lässt er es krachen, dass die Verstärker nur so wackeln. Alles tanzt. Kinder halten sich die Ohren zu, es gibt Gratis-Eis. Ottawa und 200 weitere Städte feiern mit Lust und Laune die Vollendung des „Great Trail“. Keine Spur von formellem Festakt – typisch kanadisch halt.

Auf dem Klondike Highway
Im Land des großen Goldrauschs von 1898: am Klondike Highway, der Alaska und Yukon verbindet. © Gerhard Pfaff

Wandern der Superlative

Der 24.000 Kilometer lange Great Trail ist der bei Weitem längste Weg der Welt. Dabei handelt es sich nicht um einen einzigen „Trail“, sondern um ein komplexes Wegesystem. Auch als „Trans Canada Trail“ bekannt, verbindet er bereits bestehende Trails miteinander. Und wo keine Verbindungen bestanden, wurden sie geschaffen. Teil dieses gigantischen Wegenetzes zwischen Newfoundland and Labrador und British Columbia sind 15.000 Städte und Dörfer. Vier von fünf Kanadiern sind damit jeweils nicht weiter als 30 Minuten vom Großen Trail entfernt. Auf diesem „Multi-Use“-Trail findet jeder seinen favorisierten Teilabschnitt, ob Wanderer, Radler, Reiter, Skilangläufer oder Schneemobilpilot. Jenseits der Stadtgrenzen ist man schnell wieder allein mit der endlosen Weite des Landes. Zudem folgen gut 25 Prozent der Wege Seen und Flüssen – Grund genug also, auf Kanus und Kajaks, die kanadischsten aller Verkehrsmittel, umzusteigen.

Ein Kanufahrer fährt durch einen See
Fast 500 Teilabschnitte bietet der Great Trail mit unzähligen Möglichkeiten zum Wandern, Radfahren oder Paddeln. Eine Übersicht gibt die Great Trail App. © Destination Canada

Strampeln in Whitehorse

Wie „Multi-Use“ auf dem Great Trail aussieht, kann man in Whitehorse erleben. Die kleine Hauptstadt des kanadischen Territoriums Yukon atmet noch immer „Frontier“-Atmosphäre – die raue Wildnis liegt hier, bis heute, gleich vor der Haustür. Der Millennium Trail, ein fünf Kilometer langer Rad- und Spazierweg und Segment des Great Trail, beginnt unweit des Besucherzentrums und folgt stromaufwärts dem Ufer des Yukon River. Auf einem Fahrrad von Kanoe People geht es zunächst am alten Raddampfer „SS Klondike“ vorbei, ein fotogenes Überbleibsel aus den wilden Zeiten des Goldrauschs. Danach folgt nordisch lichter Kiefernwald, und schon wenig später sieht man Fischadler auf Chinook-Lachse hinabstoßen. Am Ende des Millennium Trail donnern die Whitehorse Rapids – dort kann man an einer hölzernen Fischtreppe die kräftigen Fischleiber beim Überwinden der Stromschnellen beobachten.

Kanufahren auf dem Yukon
Absolute Stille, unterbrochen nur von Paddelstichen: im Kanu unterwegs auf dem Yukon. © Paddy Pallin

Auf den Pfaden der Goldsucher

Der Yukon River steht für das größte und folgenreichste Ereignis in der dramatischen Geschichte des Territoriums. Mehr als 100.000 „Stampeders“ genannte Goldsucher gelangten ab 1896 auf ihm nach Dawson City, dem Epizentrum des Klondike-Goldrauschs. Heute ist fast niemand mehr auf diesem Wasserweg unterwegs. Der Great Trail folgt auf diesem Abschnitt dem Klondike Highway nach Norden. Der Highway wiederum folgt dem Yukon River. Wer es also den Stampedern gleichtun und in ihrem Kielwasser durch die grandios leere Wildnis des Yukons reisen möchte – im Territorium Yukon leben gerade mal 0,08 Menschen auf einem Quadratkilometer! – mietet sich bei Up North Adventures in Whitehorse ein Kanu, lässt es, etwas flussabwärts, zu Wasser und paddelt auf dem breiten, träge fließenden Fluss der Beringsee entgegen, die Nordamerika von Russland trennt. Oder auch nur bis zum nahen Lake Laberge und zählt bis dahin die Fischadler in den Kronen der am Ufer Spalier stehenden Schwarzkiefern und genießt die absolute, nur vom Gluckern des Paddels unterbrochene Stille.

Hütte am Yukon mit Gebirge im Hintergrund
Fotografieren, bergsteigen, Boot fahren – oder fischen: am Tagish Lake zwischen British Columbia und dem Yukon, dessen Name in der Sprache der indigenen Athabasken „Fischreuse“ bedeutet. © Gouvernment of Yukon

Der Goldrausch von Klondike drehte ganze Landschaften auf links. Auch südlich von Whitehorse – allerdings suchte man dort nach Silber. Rund um Carcross – der hübsche Ort liegt am South Klondike Highway und gehört ebenfalls zum Netzwerk des Great Trail – tragen die Hänge noch immer die Spuren menschlicher Wühlarbeit. Viele der herrlichen Wanderwege wurden damals angelegt, um die Materialseilbahnen der Silberminen zu warten. Auch der Sam McGee Trail, auf den die Guides von Taiga Journeys führen, gehört dazu. Neben dem steilen Trail rosten Schienentransportwagen im Unterholz, stehen hölzerne Seilbahntürme, oft in bedenklicher Schieflage. Tiefe Kratzspuren an Birken und Lärchen erinnern daran, dass im Yukon nicht der Mensch, sondern der Grizzlybär an der Spitze der Nahrungskette steht. Dann gönnen wir uns noch den spektakulären Blick über den Windy Arm des Tagish Lake auf die Bergwelt des südlichen Yukon – dafür hat sich der schweißtreibende Aufstieg auf den Aussichtspunkt allemal gelohnt.

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